Josef Neckermann gab sich optimistisch. Mit einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent im Jahre 1966 im Rücken und einem unerschütterlichen Glauben an die Zukunft prophezeite er seinem Hause auch für 1967 eine überdurchschnittliche Umsatzsteigerung. Für den gesamten Einzelhandel rechne man mit einem Plus von zwei bis drei Prozent, bei Neckermann werde der Zuwachs „erheblich höher“ sein.

Der Seniorchef – von dem enttäuschenden Ergebnis der ersten Wochen des neuen Jahres doch wohl ein wenig beunruhigt – fordert die Verbraucher zu steigendem Konsum und seine Kollegen im Handel zu zügigen Dispositionen auf. Die Konjunktur könne sonst, so orakelte er, durch einen Verbrauchsrückgang erneut geschwächt werden.

Sein Optimismus beschränkte sich jedoch auf den Bereich des Unverbindlichen. Fragen nach der vermutlichen Dividendenhöhe beantwortete er nicht – dazu sei es noch zu früh.

Aber es blieb nicht nur dies offen. Auch Neckermanns Aussage, die Preise seien nun wirklich stabil, wurde nicht mit Zahlen untermauert. Im Gegensatz zu Karstadt etwa publiziert das Frankfurter Versandhaus keinen Preisindex für sein Angebot – es beschränkt sich darauf, von Preissenkungen für bestimmte Artikel zu reden, ohne jedoch eine Quantifizierung dieser Preissenkungen zu geben.

Und ein wenig unglaubwürdig wirkt doch der so sehr auf das „Wohl des Verbrauchers“ abgestimmte Tenor der Ausführungen Neckermanns. Das klingt so, als sei das Interesse am Verdienen hinter das Dienen zurückgetreten. Doch diese „Volksbeglücker-Pose“ ist überflüssig. Niemand wird dem erfolgreichen Unternehmer Neckermann, der 1966 rund 1,4 Milliarden Mark Umsatz erzielt hat, seine Konkurrenzfähigkeit und Preiswürdigkeit bestreiten. Nur glaubt ihm niemand, daß dies Zweck und nicht nur Mittel zum Zweck ist.

Im übrigen ist die Umsatzausweitung zu einem erheblichen Teil auf die Expansion der Gruppe zurückzuführen. Im reinen Versandgeschäft stieg der Umsatz nur um 10,1 Prozent auf 494 Millionen Mark, bei den Kaufhäusern und Verkaufsstellen, die die Verkaufsfläche um 13,6 Prozent auf 125 000 Quadratmeter erhöhte, dagegen um 22,2 Prozent auf 802 Millionen Mark. Einsam an der Spitze steht jedoch die Tochtergesellschaft Neckermann und Reisen: Der Zuwachs betrug hier 119,4 Prozent. hgk.