In der Karibischen See brach in dieser Woche eine neue Ära an: Fünf britische Kolonien auf den Kleinen Antillen wurden zu vollwertigen Mitgliedern des Commonwealth erhoben. Künftig werden sie sich selbst verwalten, jedoch bleiben Außenpolitik und Verteidigung Großbritannien überlassen. Den Anfang machte, nach genau 300 Jahren unter dem Union Jack, die Insel Antigua, die 1493 von Kolumbus entdeckt worden war.

Die fünf Inseln – Antigua, Dominica, St. Lucia, Granada und die Gruppe St. Kitts-Nevis-Anguilla – nennen sich fortan die „Assoziierten Westindischen Staaten“. Sie sind der traurige Überrest jener „Westindischen Föderation“, die 1958 aus der Taufe gehoben wurde und vier Jahre später ihr Leben aushauchte, da die „Großen“ – Jamaika und Trinidad/Tobago – ihre eigenen Wege gehen wollten.

Ein neues Gebilde – die „Ostkaribische Föderation“ – kam gleichfalls nicht zustande, weil auch hier wieder die Reichen – Antigua und Barbados – nicht für die armen Kleininseln aufkommen wollten. Ende letzten Jahres wurde Barbados unabhängig.

Auch in Jamaika, wo vorige Woche zum erstenmal seit der Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1962 gewählt wurde, weht ein neuer Wind. In den letzten 22 Jahren waren die Wahlen nie besonders aufregend, da zwei linksgerichtete Parteien das Rennen unter sich ausmachten: die Labour Party und die Nationale Volkspartei. Beide unterschieden sich kaum in ihren Programmen, beide gingen aus Gewerkschaften hervor. Diesmal, bei wachsender Arbeitslosigkeit (eine Folge der verschärften britischen Einwanderungsgesetze), wollte die oppositionelle Volkspartei unter ihrem 74jährigen Parteiboß Norman Manley die Labour Party links überholen, indem sie Verstaatlichungspläne und Bodenreformen ankündigte.

Aber die Mehrzahl der Wähler folgte der Bitte des 55jährigen Finanzministers und amtierenden Regierungschefs Donald Sangster, dem erkrankten Labour-Chef Sir Alexander Bustamante, der beherrschenden politischen Persönlichkeit in der Inselrepublik, zum 84. Geburtstag einen Wahlsieg seiner Partei zu bescheren. Mit absoluter Mehrheit zog Labour ins Parlament ein. Sangsters maßvolles Programm: beharrliches wirtschaftliches Wachstum mit Hilfe ausländischen Kapitals, des Tourismus und neuer Industrien (Bauxit und Zucker) hatte sich bezahlt gemacht.

Ein neuer Mann regiert seit einigen Wochen auf den Bahamas, den sich selbstverwaltenden britische! Kolonialinseln. Dort wurde, nach einem unerwarteten Wahlsieg der oppositionellen „Fortschrittlichen Liberalen“, der Partei der schwarzen Mehrheit, zum erstenmal ein Neger Premierminister: Lyndon Pindling. Seine Partei ist jedoch nicht auf die Unabhängigkeit der Inseln erpicht. Findling würde einen Status vorziehen, wie er zwischen Puerto Rico und den USA besteht, also eine Assoziation mit einem wirtschaftlich starken Großstaat, wenn nicht mit Großbritannien, so mit Kanada oder den Vereinigten Staaten.