Gut Freund waren Japaner und Chinesen noch nie, aber Tokios Rezept, den Handel von der Politik zu trennen, wurde von Peking bisher immer akzeptiert. Das Geschäft blühte – offiziell im Rahmen eines 200-Millionen-Dollar-Handelsabkommens (1967 nur noch 180 Millionen Dollar) und inoffiziell über von den Chinesen als befreundet bezeichnete japanische Firmen.

Insgesamt betrug das Handelsvolumen 1966 rund 620 Millionen Dollar. Die Chinesen kauften von den Japanern für 315 Millionen Dollar (plus 29 Prozent) Stahl, Maschinen, Chemieprodukte und Dünger. Die Japaner importierten für 305 Millionen Dollar (plus 36 Prozent), hauptsächlich Agrarprodukte, Rohstoffe und Salze.

Bis Ende vorigen Jahres zeigten sich die Japaner noch zuversichtlich. Die von Mao angezettelte Kulturrevolution beeinträchtigte die Geschäfte kaum. Freilich, Porzellan, Seide und Stickereien gab es nicht mehr. Diese Luxusgüter wurden von den Roten Garden vernichtet und ihre Herstellung verboten.

Herb enttäuscht wurden die Japaner erstmals auf der Messe in Kanton. Erhoffte Aufträge für die Aussteller-Firmen blieben aus. Die Lage spitzte sich zu, als Japan bei den offiziellen Verhandlungen statt der angebotenen 300 000 Tonnen Reis nur 180 000 abnehmen wollte. Peking reagierte mit heftiger Agitation und handfesten Drohungen.

Eine ernsthafte Behinderung des Handelsverkehrs mit recht nachteiligen Wirkungen für die Japaner zeigt sich aber erst seit Anfang des Jahres. Der Export von Soja aus der Mandschurei versiegte völlig. Die Sojabohne ist in Japan Grundnahrungsmittel; kaum ein Gericht wird ohne sie zubereitet. Die unmittelbare Folge sind steigende Preise bei fast allen Nahrungsmitteln.

Aber auch die Schwerindustrie leidet unter der Kulturrevolution. Japanische Stahlfirmen warten seit Januar auf 30 000 Tonnen Eisenfluorid. Mahnungen quittieren die Chinesen mit Schweigen. Bisher wurden 40 Prozent des Bedarfs an Fluorid aus China gedeckt. Thailand könnte den wichtigen Rohstoff liefern; die Exporteure dort verlangen aber erheblich höhere Preise als die Chinesen.

Japanische Reeder klagen über erzwungene Liegezeiten ihrer Schiffe in Shanghai und anderen Häfen. Dauerte die Abfertigung früher drei bis vier Tage, so sind es heute bereits zwei bis drei Wochen. Hinzu kommt, daß die Waren nicht rechtzeitig zur Verladung geliefert werden. Offensichtlich ist das innerchinesische Verkehrs- und Transportwesen durch die Unruhen stark behindert.

Neben diesen Importproblemen zeigt sich seit Herbst 1966 auch ein beträchtlicher Rückgang des japanischen Industrie- und Chemikalienexports nach China. Dies wiederum dämpft den gesamten Handelsverkehr, denn Maos Ziel ist es, eine zumindest ausgeglichene Bilanz im Japanhandel zu verwirklichen. dh.