Wenig begeistert kehrte vor einigen Wochen eine Abordnung des deutschen Bergbaus von der ersten Kontaktaufnahme mit Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller aus Bonn zurück. Der neue Mann im BWM hatte zwar nicht mit schönen Worten, wohl aber mit konkreten Morgengaben gegeizt – die Herren aus Essen wurden mit leeren Händen auf den Heimweg geschickt.

Nicht besser erging es der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie, die den „Kollegen“ Schiller als Redner zum Gewerkschaftstag geladen hatte. Der Wirtschaftsminister machte keine „Angebote“; Hoffnungen auf eine „konservierende Behandlung“ durch den Bonner Wunderheiler zerstoben.

Karl Schiller hat richtig gehandelt. Er hat darauf hingewiesen, daß die neue Regierung die Schritte vollendet hat – eingeleitet wurden sie noch vom Kabinett Erhard –, die zu einer Absatzsicherung in Höhe von rund 80 Millionen Tonnen notwendig waren. Und er hat sich nicht zu Lösungen bekannt, die zu einer gefährlichen Erhöhung des Energiepreisniveaus führen könnten.

Freilich, davon allein kann die neue Regierung auf die Dauer nicht leben. Man erwartet von ihr eine Lösung der Strukturkrise an der Ruhr, man hofft, daß sie sich im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen nicht in unkoordinierte Einzelmaßnahmen verzettelt.

Denn wenn die bisherigen Hilfen für die Kohle nicht verhindert haben, daß der Horizont über der Ruhr immer dunkler geworden ist, dann liegt es weniger an ihrem mangelnden Umfang als an ihrem planlosen Einsatz. Nun gilt es, dieser Improvisation ein Ende zu setzen.

Der neue Mann im BWM kommt also nicht umhin, einen Plan zur Sanierung des noch immer bedeutendsten Industriegebiets vorzulegen. Heute kann er noch darauf hinweisen, daß er dringlichere Geschäfte zu erledigen hat – morgen gilt das nicht mehr. Aber Karl Schiller weiß wohl, wie schnell Lorbeer im allgemeinen und Vorschußlorbeer im besonderen welkt. Deshalb wird er sich darauf nicht ausruhen wollen. hek.