Oberstudiendirektor bietet Ausfallhonorar an – Darf die Öffentlichkeit über schulinterne Dinge informiert werden?

Von Nina Grunenberg

Köln

In der vorigen Nummer der ZEIT hieß es in einem Artikel von Rudolf Walter Leonhardt über das Verhältnis von Schule und Universitäten zur Presse: "Jedes kritische Wort, und sei es noch so zurückhaltend geäußert, scheint Schulen wie Universitäten unangebracht." Zu den zwei Vorfällen, die zu dieser Bemerkung Anlaß gaben, ist jetzt ein dritter hinzugekommen – hervorgerufen durch einen Artikel in der gleichen Nummer der ZEIT.

Unter der Überschrift "Messe geschwänzt" wurde über eine recht komische, anscheinend harmlose Geschichte aus dem Kölner Dreikönigs-Gymnasium berichtet: An Hand eines an die Schule adressierten Beschwerdebriefes hatte der Direktor Gottfried Rick die Eltern der Sekunden- und Primen-Schüler davon unterrichtet, daß manche der Kinder in ein Café gingen, anstatt in die Schulmesse, und daß sie auch zu anderen Zeiten, in denen die Eltern sie in der Schule vermuteten, sich im "St. Tropez" aufhielten.

Der Direktor hatte Abschriften dieses Briefes an die Eltern versandt, obwohl inzwischen klargeworden war, daß diese – in seiner Diktion primitive und denunziatorische – Beschwerde fingiert war und praktisch noch hätte zurückgezogen werden können. Denn noch während die Schüler im Unterricht saßen – den Brief an die Eltern in der Tasche –, war der angebliche Brief Schreiber in der Schule aufgetaucht und hatte Richtigstellung verlangt. Darüber klärte der Direktor die Eltern erst in einem zweiten Brief auf, fügte aber hinzu: Wenn auch die in dem Brief "erhobenen Vorwürfe zum mindesten stark übertrieben sind, so bleibt doch das Faktum eindeutig bestehen, daß ein Teil unserer Schüler auch während der Unterrichtszeit... ohne Wissen ihrer Eltern sich in einem Lokal aufhält".

Er gründete also seine pädagogische Sorge zum zweitenmal auf dem als fingiert entlarvten Brief.