Im Bergdorf Chamrousse bei Grenoble ist etwas passiert, was erst die österreichischen Skiläufer, dann die deutschen, schließlich die schweizerischen einen „Skandal“ nannten. Dieses böse Wort macht jetzt die Runde – in Frankreich und in aller Welt.

Ein Jahr, bevor die Olympischen Winterspiele in den Alpen bei Grenoble stattfinden werden, wurden unlängst internationale Skisportler eingeladen, die neue Piste von Chamrousse eine Woche, lang auszuprobieren. Doch da sahen die Tiroler Skigrößen, daß die französischen Stars, die allerdings letzthin überall das Rennen gemacht haben (wie vorher die österreichischen), sehr, sehr luxuriös untergebracht waren, während sie selber enggedrängt in kümmerlichen Schlafsälen hausen mußten. Den deutschen und schweizerischen Sportlern erging es nicht besser. Ungeachtet des Liedes „Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh ... und schlafen auf Stroh“ bestiegen sie wütend und wetternd die Omnibusse und reisten ab, gefolgt von den deutschen und schweizerischen Sportlern.

Es ist eine alte Geschichte, daß wir Deutschen in derlei Sachen besser dran sind, wenn wir uns auf unser Organisationstalent verlassen, als die Franzosen, die auf ihre Improvisationsbegabung setzen. Fast alles ist schiefgegangen, was die verantwortliche Fédération française de Ski arrangiert hatte. Nicht einmal die olympische Piste war hinreichend in Ordnung. Aber ebenso gewiß ist, daß die Franzosen selber dies als strenge Warnung bei der Vorbereitung ihres Anteils an den Olympischen Spielen auffassen. Nirgendwo wird der „Skandal von Chamrousse“ schärfer kritisiert als in Frankreich selbst, wo man der Skiorganisation Überheblichkeit und Mangel an Gastfreundschaft und Fair Play vorwirft.

Die abgereisten Skiteams, die zum gemeinsamen Ärger noch eines gemeinsam haben: daß sie deutsch sprachen und schimpften, sie sollten den „Skandal“ als einen Einzelfall – und daher als entschuldbar – betrachten und diesen Zwischenfall nicht zum Denkmal machen. J. M.-M.