Lieber heute ein paar Freisetzungen durch Ra-Pönalisierung der deutschen Schiffbauindustrie statt morgen und übermorgen Massenentlassungen: Das ist ein wirtschaftspolitischer Wunsch, der einer Industriegewerkschaft vom Range der IG Metall wohl ansteht. Heinz Scholz, ihr Hamburger Bezirksleiter, erweist sich als gut beraten, wenn er – statt sich in bitteren Vorwürfen über Versäumnisse der Vergangenheit zu ergehen – mit den arbeitgebenden Werften zusammenarbeitet, um die Anschlußauftragskrise im deutschen Schiffbau zu überwinden.

Seine Vorschläge – die er in dieser Woche gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Verbandes der Werftindustrie, Paul Voltz, Bundeswirtschaftsminister Schiller vorträgt – könnten ebensogut von einem neutralen Wirtschaftsexperten wie von einem Gewerkschaftsfunktionär stammen: Kooperation, Vereinfachung, Rationalisierung – nicht nur der Werften, sondern auch der Finanzierungsmethoden und der ministeriellen Zuständigkeiten. Im Zweifel zieht er sogar Konzentrationsprozesse in der Schiffbauindustrie mangelnder Selbsthilfe und traditionsbeladenem, betriebswirtschaftlich unzulänglichem Hängen und Würgen in Kleinunternehmen vor.

Schade nur, daß dieses wohlklingende Tarifpartner-Konzert durch einen atonalen Grundton gestört wird: Wer heute rationalisiert, um morgen jene Aufträge zu bekommen, die Massenentlassungen und Kurzarbeit verhindern, muß außerordentlich schnell handeln. Sonst droht die Gefahr, daß das, was verhindert werden soll, eintritt, ehe das Gegenmittel wirkt. zh.