Meinen Freund Bill hielt ich bisher für einen dieser netten, gutmütigen, offenherzigen amerikanischen CIA-Agenten, der bei uns seine landesübliche Spionage-Dienstzeit absolviert. Ab und zu verreiste er für einige Zeit. Dann ahnte ich, daß es wohl gerade in Kolumbien helfen mußte, einen Bergarbeiter-Aufstand zu unterdrücken. Oder daß er gerade in Kambodscha weilte, um Staatschef Sinahuk unschädlich zu machen. Oder in Saigon, um einen Coup gegen die Regierung zu organisieren.

Inzwischen habe ich aber eine Entdeckung gemacht: Bill führt ein Doppelleben. Der ist nicht nur Agent, der ist auch noch Student! Das weiß ich durch die Enthüllungen über das Mäzenatentum der CIA, die so vielen Organisationen hilfreich unter die Arme gegriffen hat, daß sich nur der Tierschutzverein über eine gewisse Vernachlässigung beklagt haben soll.

Dabei hat die CIA, wie es sich für edle Gönner gehört, immer Wert darauf gelegt, daß man von ihrem wohltätigen Wirken kein Aufhebens macht. Ihr wichtigster Beitrag war eine Art inneramerikanische Entwicklungshilfe, durch welche sie einer möglichen Bildungskatastrophe entgegenwirken wollte. Diese Studienförderung kommt natürlich zunächst einmal ihren Agenten zugute. Jeder CIA-Agent ein studierter Mann – so lautet die Devise. Und das bringt mich wieder auf Bill.

Bill studiert also heimlich für die CIA. Wenn er morgens, ein kleines Köfferchen in der Hand, loszieht, heißt das noch lange nicht, daß er jetzt das Unternehmen „Lahme Gans“ – eine Anti-Anti-Vietnamkrieg-Demonstration – finanzieren geht. Nein, da geht er vielleicht brav in die Uni und hört eine Vorlesung über „Völkerrecht und Souveränität“. Öder sitzt in einem Seminar, das sich mit der bewegten Geschichte Nikaraguas beschäftigt.

So eine doppelte Tätigkeit strapaziert natürlich. Ich glaube, daß manche Schlappe, die die CIA im Laufe der Jahre hinnehmen mußte, darauf zurückgeht, daß ihre Agenten-Studenten überarbeitet sind. Man kann eben nicht, ohne auf die Dauer Schaden zu nehmen, gleichzeitig Arzneikunde studieren und die Ostkontakte von Labor-Kollegen überwachen.

Weil die CIA das eingesehen hat, mobiliserte sie ganze Scharen von Journalisten, Wissenschaftlern und normale Touristen, die als Hilfskräfte Verwendung fanden. Das Endziel ist natürlich der Volksspion.

Leider hat der tapfere Abwehrkampf gegen den kommunistischen Weltfeind heftige Angriffe ausgelöst. Es gibt in Amerika immer noch windige Gesellen, die bei den Methoden der CIA gewisse Skrupel haben. Das mußte ich einem beunruhigenden Leitartikel in der „Welt“ entnehmen, in dem es in diesem Zusammenhang hieß: