Widerstandslose (supraleitende) elektrische Verbindungen und mit ihnen eine unabsehbare Fülle neuartiger technischer Möglichkeiten stehen am Ziele eines Weges, auf dem ein Chemikerteam der Stanford-Universität in Kalifornien jetzt Schritt für Schritt die elektrische Leitfähigkeit von Metallen verbessert. Durch Veredelung mit organischen Substanzen konnte Professor Hardern McConnell die Temperatur, bei der das Metall Vanadium supraleitend wird, etwas anheben.

Die Supraleitung ist ein altbekanntes Phänomen: In der Nähe des absoluten Nullpunktes (-273°C) setzen einige Metalle dem elektrischen Strom keinen Widerstand mehr entgegen; bei höheren Temperaturen hingegen geht in den Übertragungsleitungen ein Teil der elektrischen Energie verloren. McConnell konnte jetzt zum erstenmal nachweisen, daß diese Supraleitfähigkeit chemisch beeinflußbar ist. In einer kommenden Ausgabe der „Proceedings of the National Academy of Sciences“ wird er über seine aufsehenerregenden Versuche berichten.

Der amerikanische Chemiker untersuchte zwölf verschiedene organische Verbindungen, mit denen er im Hochvakuum extrem dünne Vanadiumschichten überzog. Acht der Substanzen ließen den Supraleitungspunkt (die Temperatur, bei der das Vanadium plötzlich keinerlei elektrischen Widerstand mehr zeigt) bis zu einem Zehntelgrad steigen; vier Verbindungen senkten ihn.

Obwohl die Forscher die elektrischen Eigenschaften des Vanadiums nur um Bruchteile von Graden verändern konnten, zeigen sie sich optimistisch: Sie errechneten, daß der Supraleitungspunkt in zunehmendem Maße ansteigt, wenn die Menge der organischen Substanz auf dem Metall vergrößert wird. R