Dr. Franz Reuter, Herausgeber der Wirtschafts- und Finanz-Zeitung „Der Volkswirt“, ist am 2. März nach schwerer Krankheit im siebzigsten Lebensjahr gestorben. Mit ihm ist ein Mann abgetreten, der mehr als vier Jahrzehnte lang mit der deutschen Wirtschaftspublizistik verbunden war.

Nach dem Studium der Geschichte begann Reuter seine journalistische Laufbahn 1923 in der Handelsredaktion der angesehenen „Kölnischen Zeitung“. Doch schon von 1929 an betätigte er sich als Verleger und Herausgeber von wirtschaftspolitischen und fachlichen Korrespondenzen. Im Berlin der Weimarer Republik verschaffte er sich bald mit seinen Kommentaren Gehör.

Den eigentlichen Mittelpunkt seines verlegerischen und journalistischen Wirkens fand er, als er zusammen mit Dr. Otto Meynen die Wochenzeitung „Der Deutsche Volkswirt“ von Gustav Stolper übernahm. Zwar dehnte er seine unternehmerischen Interessen immer weiter aus, aber der „Volkswirt“ blieb fortan der Kern seiner Tätigkeit.

Nach dem Kriege bot sich Reuter 1949 die Möglichkeit, mit der Wirtschafts- und Finanzzeitung „Der Volkswirt“ die Tradition der angesehenen wirtschaftspolitischen Wochenzeitung wieder aufzunehmen. Im Herbst 1966 ging die von ihm und Dr. Meynen gehaltene Mehrheit am Kapital des Verlages auf Dr. Gerd Bucerius über, Reuter blieb jedoch Herausgeber des „Volkswirt“.

Franz Reuter war vielseitig tätig – publizistisch, politisch und unternehmerisch. Jahrelang hat ihn nach dem Kriege die schwierige Aufgabe eines Mitglieds des IG-Farben-Liquidationsausschusses und eines Liquidators des großen deutschen Farbenkonzerns in Anspruch genommen.

Wie einst Stolper, sah er Politik und Wirtschaft miteinander verflochten. Er war ein Liberaler ohne ideologische Scheuklappen und für seinen Freimut bekannt. Die Nationalsozialisten warfen ihn nach dem 20. Juli 1944 ins Konzentrationslager. Nach dem Kriege betätigte er sich in der FDP. Mit großem Engagement stritt er schon in den fünfziger Jahren für eine aktive Ostpolitik.

Die Stärke Reuters war das Denken in großen Zusammenhängen. Sein außergewöhnlicher Weitblick wurde in den deutschen Unternehmen, deren Aufsichtsratsmitglied er war, und in den zahlreichen Organisationen, in denen er mitarbeitete, sehr geschätzt. Tr.