Von Marcel Reich-Ranicki

Die Amerikanerin Mary McCarthy scheint mir unter den weltberühmten Schriftstellern dieser Zeit die mittelmäßigste zu sein. Doch unter den mittelmäßigen ist sie wohl die intelligenteste. Ihrer Prosa läßt sich nichts Außergewöhnliches nachsagen. Doch der außergewöhnliche Erfolg, der ihr überall zuteil wird, hat seine guten Gründe.

Da die ebenso gewandte wie zielstrebige Autorin ihr Ansehen zunächst essayistischen Arbeiten, Kritiken zumal, verdankte, ist auch ihr der in solchen Fällen übliche Vorwurf nicht erspart geblieben: im Grunde hätten ihre Romane und Geschichten – hieß es schon oft – einzig den Charakter von Belegen für literarische Theorien. Dies leuchtet in der Tat ein. Nur daß es nicht zutrifft.