Von Peter Stähle

Ernst Klink: Das Gesetz des Handelns – Die Operation Zitadelle 1943; Schriftenreihe des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart; 356 Seiten mit 16 Karten und Lageskizzen, 38,– DM

Der Sieg von Kursk muß für die Welt wie ein Fanal wirken“, ließ Adolf Hitler am 15. April 1943 im „Operationsbefehl Nr. 6“ den deutschen Truppen im Osten zurufen. Der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hatte sich „entschlossen, als ersten der diesjährigen Angriffsschläge den Angriff ‚Zitadelle‘ zu führen“. Jeder Mann müsse von der Bedeutung dieses Angriffs durchdrungen sein, die besten Verbände, die besten Waffen, die besten Führer und große Munitionsmengen seien einzusetzen.

Nicht nur an der Ostfront, sondern auch auf den anderen Kriegsschauplätzen zeichnete sich im Frühjahr 1943 die Wende ab. In Nordafrika mußte General Rommel zurückweichen, und in Süditalien wurde die Landung der Alliierten erwartet. Im Mittelabschnitt der deutschen Linien in der Sowjetunion wollte Hitler möglichst viele russische Kräfte binden und dem Gegner wieder das Gesetz des Handelns vorschreiben.

Aber der „Zitadelle“-Plan scheiterte unter schweren Verlusten für das deutsche Heer, obwohl die Angriffsschlacht bei Kursk wie kaum eine andere militärische Aktion strategisch geplant, technisch vorbereitet und taktisch erfolgreich eingeleitet worden war. Hitlers Absicht, nach einem Sieg bei Kursk Truppen für die zweite Front in Italien abziehen und Panzerverbände für andere Gebiete freimachen zu können, war vereitelt.

In dem 7. Band der Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte, der ausschließlich der Operation „Zitadelle“ gewidmet ist, wird der Angriff bei Kursk ein Unternehmen genannt, „das taktisch undurchführbar war und deshalb in der operativen Zielsetzung scheiterte“. Neuerdings haben nun Unterlagen und Veröffentlichungen, die während der Entstehungszeit des Buches noch unbekannt waren, ergeben, daß Zeitpunkt und Umfang der Operation vor Beginn an die Sowjetunion verraten worden seien. Indes ist keineswegs erwiesen, daß das Unternehmen vor allem deshalb mißlungen ist, weil Verrat im Spiel war; jedoch fehlte die entscheidende Schockwirkung eines Überraschungsangriffs.

Am 5. Juli 1943 setzte der deutsche Angriff ein, nachdem zuerst der 4., 5. und 9. Mai, der 5., 10., 17. und 20. Juni, schließlich der 3. Juli als „Tag X“ vorgesehen waren. Am 2. Juli 1943 aber, einen Tag, nachdem Hitler im Führerhauptquartier bei Rastenburg den ersten Schlag der Sommeroffensive auf den 5. Juli festgesetzt hatte, wurden die sowjetischen Kommandeure der Woronesch-Front von dem bevorstehenden Angriff unterrichtet. Der „Spiegel“ berichtete unlängst, daß es der damalige Generalleutnant Nikita Chruschtschow war, der die russischen Öffiziere in einem Dorf bei Kursk einweihte und Gegenmaßnahmen traf.