/ Von Dietrich Strothmann

In dem geräumigen, plüschenen Wohnzimmer der Villa an der Braut-Eiche Nr. 19 in Bremen-Schönebeck hängt ein Ölgemälde: Friedrich der Große zu Pferde. Die Rechte des Königs ist ausgestreckt. Sie zeigt in die Richtung eines brennenden, zerborstenen Hauses.

Das Bild hängt im Haus von Friedrich Thielen, dem vielbeschäftigten Inhaber einer gutgehenden Betonfabrik – und seit dem Wochenende abgewählter Bundesvorsitzender der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands. Es ist dies ein leidgeprüfter Mann, der sich selber einmal als der „getreue Ekkehard“ seiner Partei apostrophierte und der kaum einen Satz sagt, ohne daß mindestens eins seiner drei Lieblingsworte „Recht“, „Sauberkeit“, „Anständigkeit“ darin vorkommt.

Friedrich Thielen, ein stämmiger, rundschädeliger Fünfzigjähriger aus einem monarchistisch und deutsch-national geprägten Elternhaus, hat schon immer gegen das „Schlechte“ in der Welt angekämpft, vor allem in der politischen Welt: erst in der CDU, die er nach elf Jahren verließ, als sie sich in der Bremer Bürgerschaft mit der SPD gemein machte; dann in der Deutschen Partei, als sie sich in der CDU auflöste; und jetzt mit der Partei, an deren Geburt er im November 1964 beteiligt war und die er bis vor wenigen Tagen offiziell führte.

Dieser Mann ist immerzu auf der Suche nach seiner politischen Heimstatt. „Dabei könnte ich ein Pferd besteigen und durch die Gegend reiten. Ich könnte mich dem Geldverdienen und der Familie widmen und ein schönes Leben führen.“ Thielen, der Betonfabrikant, ist schließlich ein reicher Mann. Aber er sei, so sagt er, seinem Gewissen verpflichtet. Darum, und nur darum, gehe er immer wieder in die Politik zurück.

Thielens Mund ist verkniffen, sein Kinn stößt wie ein Rammbock nach vorn. Die Worte kommen wie Geschosse: „übelste Intrige ... Machenschaften ... ich habe die Verschlagenheit und die Unanständigkeit unterschätzt... zu Tode gehetzt ... die Kettenhunde losgelassen... in menschlich widerlicher Form ... neben der Gehässigkeit steht immer die Gemeinheit.“ Gemünzt sind diese zornigen Vokabeln auf seine Parteifreunde von gestern, auf seinen Stellvertreter Adolf von Thadden und auf das Präsidiumsmitglied Otto Hess. Sie sind heute für Thielen die „Teufel“, die „Totengräber“ der NPD. Für sie hat er kein gutes Wort mehr übrig.

Zu Thadden sagte er, als sie sich das letzte Mal trafen: „Sie sind ein ausgemachter Strolch. Sie kennen mich als Vater der Partei. Jetzt kämpfe ich mit Ihnen bis aufs Messer.“ Über Hess urteilt er so: „Das ist der Einpeitscher. Er ist der Rabiateste von allen. Zu Thadden habe ich gesagt, wenn der hier in mein Haus kommt – den schmeiße ich raus.“ Friedrich Thielens neue Lebensmaxime lautet: „Nur die Tiere bleiben einem treu. Der Mensch ist anders, weil er zu oft seinen Verstand mißbraucht.“