In Teneriffas sonnigen Gestaden war es, wo den Urlauber Günter Vogelsang Ende Februar die ersten Presseberichte von den Schwierigkeiten im Hause Krupp erreichten. Als Vorstandsmitglied von Mannesmann war er auf das attraktive Eiland geflogen, um sich unter anderem auch von den überstandenen Strapazen der „Wechseljahre“ seines Konzerns zu erholen. Als er Anfang März an den Rhein zurückkehrte, war er selbst schon ziemlich sicher, daß er nicht mehr allzu lange in der belle etage des Konzernpalastes am Düsseldorfer Mannesmann-Ufer residieren wird.

Dem stolzen Werbeslogan, der die Verkäufer des prominenten Ruhrgiganten seit einiger Zeit begleitet, hatte auch Alfried Krupp von Bohlen und Halbach sich nicht verschließen können. „Frag den Mann von Mannesmann“, heißt es werbend in aller Welt. Krupp handelte danach, wenn auch zweifellos nicht ganz im Sinne der Erfinder. Schon zu Beginn des Jahres fragte er den Mannesmann-Mann Günter Vogelsang, ob er seine Manager-Karriere – die einmal bei Krupp begonnen hatte – nicht auch bei Krupp fortsetzen wollte.

Schon damals war bei den Kamingesprächen von einer Stiftung, von einer Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft und nicht zuletzt von einem geplanten Rückzug des Firmeninhabers sowie seines Generalbevollmächtigten Berthold Beitz aus der aktiven Geschäftsführung die Rede. Und der 47jährige Mannesmann-Vorstand, der in Düsseldorf immerhin neben einem noch nicht 50jährigen Generaldirektor steht, fühlte sich nach seinem früh begonnenen Höhenflug durchaus noch zu jung, um ohne Wunsch zu sein. Der Mann, der bereits mit 38 Jahren einen Vorstandssessel im Revier erklommen hatte, hat damit noch nicht seinen ganzen Einsatz gesetzt.

Günter Vogelsang, der die Statur eines trainierten Boxers und die fröhliche Unverwundbarkeit eines erfolgreichen Torschützen hat, ist der Mann, der Chancen zu nutzen weiß. Alfried Krupp erhielt von ihm eine spontane Zusage. Allerdings glaubte der künftige Chef des Krupp-Konzerns zu diesem Zeitpunkt noch, ein rein akademisches Ja-Wort gegeben zu haben, weil er zunächst nicht an die Realisierung der angebotenen Bedingungen geglaubt hat. Er ging gelassen und beruhigt außer Landes.

Als er wiederkam, hatte die Zeit für ihn und seine Karriere, die nicht zum erstenmal eine überraschende Wendung nahm, gearbeitet, und zwar recht rapide. Der Weg für einen starken Mann an der Spitze des Krupp-Konzerns wird frei, nachdem sich der amtierende Erbe des Essener Industrieimperiums mit der Inanspruchnahme der Bundesbürgschaft verpflichten mußte, mit überholten Traditionen zu brechen und die Einzelfirma nunmehr nach den Formeln des Jahres 1967 führen zu lassen. Das ist die Stunde für Günter Vogelsang, der ohne die verbriefte Zusicherung die volle Verantwortung übertragen zu bekommen, unter gar keinen Umständen in die Firma Fried. Krupp in ihrer heutigen Form zurückgekehrt wäre.

Nicht von ungefähr hatten Alfried Krupp und Berthold Beitz den Wunsch, den vitalen Mann zurückzuholen, den sie vor knapp sieben Jahren an Mannesmann verloren hatten, verloren übrigens deswegen, weil weder der Eigentümer noch sein Generalbevollmächtigter dem damals als Geheimtip geltenden Jungmanager eine Chance versprechen wollten, aus dem zweiten Glied herauszukommen.

Nicht von ungefähr spenden die Banken der Tatsache uneingeschränkt Beifall, daß der Rheinländer Günter Vogelsang – dem die schnoddrige Hemdsärmeligkeit ebenso zu Gebot steht wie der korrekte Auftritt des seriösen Geschäftsmannes, vom untadeligen Sitz des dreiteiligen Anzuges im gedeckten Grau bis zum gewinnenden Lächeln des Erfolges – das Kommando in der im nächsten Jahr zu gründenden Kruppschen Kapitalgesellschaft führen soll. Man kennt seine Handschrift, die Stationen seines Berufsweges sind nicht zahlreich, aber es sind Empfehlungen für eine Ruhr-Karriere neuerer Art.