Stuttgart

Der Überlinger Geschäftsmann Dr. Werner Plappert macht seinem Namen alle Ehre. Er hat geplappert. Er wisse, so tat er kund, manches über die Bonner Schützenpanzer-Affäre, er kenne Bestechungslisten, er habe von der CDU 1957 aus einem „Luftgeschäft“ 50 Millionen Mark für den Wahlkampf bekommen, und in der Schweiz könnten Fakten bekannt werden, die in Bonn noch mehr Aufsehen erregen würden als die ganze HS-30-Panzer-Attacke.

Nach dem alten Kommiß-Rezept, Angriff ist die beste Abwehr, hat der ehemalige Oberbürgermeister, Fabrikant und Handelskammerpräsident von Heidenheim mit diesen Andeutungen offensichtlich seine Steuereintreiber verscheuchen wollen. Er schuldet nämlich dem Fiskus seit 1952 noch mindestens 66 700 Mark.

Ursprünglich sollen es sogar 1,5 Millionen Mark gewesen sein. Die einen behaupten, Plappert habe als Nachkriegsgewinnler sein Gechäft mit dem Verkauf amerikanischer Waren, genauer gesagt, beschlagnahmten Tabaks aus Wehrmachtsbeständen gemacht. Andere glauben zu wissen, daß die Steuerschuld aus dem Schützenpanzergeschäft erwachsen sei.

Das Bundesfinanzministerium hat in der letzten Woche nun schnell wissen lassen, es handele sich um Rückstände an Soforthilfe-Abgaben und Soforthilfe-Sonderabgaben, einschließlich eines Zuschlags aus den Jahren 1948 bis 1952, sowie um Rückstände an Vermögensabgabe aus den Jahren 1952 bis 1963. Fest steht, daß der deutsche Zoll 1952 auf Plapperts Spuren war und daß dieser vorübergehend auch in Lichtenstein logierte, in dem Land der Steuerfreiheiten. Außerdem hat Plappert selbst zugegeben, daß er in der Schweiz an mehreren Gesprächen über den Kauf des Panzers HS-30 teilgenommen habe. Er will auch wissen, daß es der Herstellerfirma Hispano-Suiza zunächst an Kapital gefehlt habe, daß dann die damals kommandogewaltige CDU im Bundestag die Gelder bewilligt habe und daß darauf die CDU für ihren Wahlkampf im Jahr 1957 mindestens 50 Millionen Mark als Wahlgage erhalten habe.

Für den 65 Jahre alten Werner Plappert dürfte es indessen allein interessant sein, daß seine Steuerschuld ihn nicht mehr drückt. Die erste Rate von 800 000 Mark war ihm schon im letzten Jahr erlassen worden. Vorausgegangen waren einige Briefe des Überlinger Villenbesitzers an Bundeskanzler Ludwig Erhard, in denen er diesen um eine Intervention gebeten haben will. Und angeblich soll der baden-württembergische FDP-Finanzminister Müller im September 1966 Plappert geraten haben, einen Antrag auf Streichung der weiteren Steuerschuld zu stellen. Plappert stellte den Antrag und bereits am 28. Oktober hat dann die Steuerabteilung des Stuttgarter Finanzministeriums beim Bonner Finanzministerium „im Hinblick auf die angenommene und bis heute nicht widerlegte Vermögenslosigkeit Plapperts“ einen Steuererlaß bis auf den an dritter Rang-Stelle hypothekarisch gesicherten Restbetrags von 66 770 Mark beantragt. Das Bundesfinanzministerium stimmte diesem Vorschlag zu. Im übrigen ließ das Bonner Ministerium sogar wissen, daß es nichts dagegen einzuwenden habe, „wenn auch hinsichtlich des nicht zu erlassenden Betrags in Höhe von 66 770 Mark weitere Vollstreckungsmaßnahmen zunächst unterblieben’.

Prompt schrieb der Leiter der Stuttgarter Steuerabteilung am 11. Januar 1967 dem Überlinger Finanzamt einen Brief, daß auch Plapperts letzte Steuerschuld vorläufig nicht beigetrieben werden solle. Der gute Ministerialrat hatte nur einen Fehler begangen: Er hatte weder seinen Ministerialdirektor, geschweige seinen Minister gefragt. Und da sein neuer Minister nun nicht mehr der FDP, sondern der SPD angehörte, erklärte dieser bald darauf, wenn er von dem ganzen Vorgang Kenntnis gehabt hätte, wäre der Brief nicht geschrieben worden. Und er ließ sofort telephonisch die Überlinger anweisen, den ministeriellen Erlaß nicht auszuführen. SPD-Finanzminister Angstmann: „Diesen schwarzen Peter lasse ich mir nicht zuschieben!“ Und in Behördendeutsch: „Angesichts der Tatsache, daß es sich hier um eine Abgabeangelegenheit des Bundes handelt, die in Zusammenhang mit der Beschaffung des Schützenpanzers HS-30 gebracht wurde, hält es das Finanzministerium für geboten, die gesamten Unterlagen nach Bonn zu geben.“