Das bedeutet, die Transportwege auszutüfteln über Land, über See und möglicherweise durch die Luft. Das bedeutet, zahlreiche Formalitäten zu erledigen, von den Verschiffungsdokumenten bis zu Zollerklärungen und möglicherweise Schadensregelungen. Das bedeutet, aus dem Tarifdschungel der Verkehrsträger die preisgünstigsten Möglichkeiten herauszufinden, um dem Kunden ein besseres Angebot machen zu können als der Konkurrent.

In der Fachwelt spricht man heute vom „integrierten Transport“. Dabei ist die Seehafenspedition, aus der die Firma einmal hervorgegangen ist, nur noch ein Teilgebiet. So kommt es, daß schon seit Jahren auch in der Spedition immer mehr größere Gruppen entstehen, die Konzentration also zwangsläufig vorangetrieben wird. Auch konzerneigene Firmen, ursprünglich nur gegründet, um etwa die Spedition von Kohle und Erz für den eigenen Betrieb zu handhaben, stoßen in andere Geschäftsbereiche vor, damit die Konzernleitung nicht wegen roter Zahlen ihrer Spedition die Stirn runzelt.

Für Alfred Kühne war es noch eine große Sorge, ob sich nicht etwa tüchtige Angestellte selbständig machen wollten. Noch vor dem letzten Krieg war es an der Tagesordnung, daß ein Prokurist eines Tages seinen eigenen Laden aufmachte, zehn Kunden seines früheren Chefs mitnahm und von diesem Geschäft gut leben konnte. Das gibt es heute kaum noch, denn für Firmen dieser Größenordnung sind die Zukunftsaussichten auf Moll gestimmt.

Klaus-Michael Kühne ist gebürtiger Hamburger, dabei hätte er „tagenbarer“ Bremer sein können – und das bedeutet in der Hansestadt an der Weser auch heute noch etwas. Und an der großen Weserbrücke liegt noch immer der Stammsitz der Firma.

Eine Anzeige von doppelter Briefmarkengröße kündete am 1. Juli 1890 in den „Bremer Nachrichten“ von der Firmenneugründung: „Bekanntmachung. Wir errichten heute hier und in Bremerhaven unter der Firma Kühne & Nagel ein Speditions- und Commissions-Geschäft. Bremen, Juli 1890. Aug. Kühne, Friedr. Nagel.“

Teilhaber Nagel starb im Jahre 1907; seitdem ist die Firma ein Familienunternehmen der Familie Kühne. In jener Zeit auch gründete der spätere Teilhaber Maass eine Niederlassung in Hamburg mit dem brennenden Ehrgeiz, daß das Hamburger Haus einmal das Bremer Haus überflügeln möge. Nun, heute firmiert das Unternehmen „mit Stammsitz in Bremen und Hauptniederlassung in Hamburg“. 950 Mitarbeiter sind in Hamburg, 540 in Bremen tätig.

Die Geschichte der Firma und die Rivalität der beiden Niederlassungen reflektiert die jahrhundertealte Konkurrenz der beiden größten deutschen Seehäfen. „Das ist vorbei“, sagt Klaus-Michael Kühne. „Heute herrscht Harmonie in der Firma. Auch das ein reflektiertes Symptom der Entwicklung: Die gemeinsamen Sorgen der beiden hanseatischen Häfen wegen ihrer Randlage in der EWG sind gewichtiger als die Rivalität vergangener Tage.