„Als nach dem Zweiten Weltkrieg das traditionelle Hinterland im Osten verloren war, hat mein Vater in den fünfziger Jahren vor allem das Filialnetz in der Bundesrepublik ausgebaut“, erzählt der Juniorchef. Damit gelang der große Vorstoß über das Seehafengeschäft hinaus. Welche Bedeutung dieser Schritt hatte, zeigt sich jetzt.

Seit Jahren liefert das Stichwort „Container“ der Fachpresse reichen Stoff für die Berichterstattung, den Hafenspediteuren und Reedern aber droht es zum Alptraum zu werden. Dabei ist ein Container nichts weiter als eine Blechkiste von Güterwagengröße. Doch eines Tages kam ein Transportfachmann auf den Gedanken, warum denn der Güterwagen- oder Lastwagenaufbau mit dem Fahrgestell fest verbunden sein müsse, warum man denn nicht die Aufbauten als Ganzes verladen könne.

Nun rollt der Container. In der Fabrik in Stuttgart wird er gepackt, im Hafen mit einem Kran vom Lastwagen oder von der Bahn auf das Schiff gestellt, jenseits des Atlantik wieder auf Räder gesetzt und in Kansas City schließlich ausgepackt.

Nur wer in Stuttgart eine Filiale hat, kann das Geschäft noch machen. Kühne & Nagel hat eine Niederlassung in Stuttgart und in 18 anderen deutschen Städten.

Klaus-Michael Kühne weiß, was da auf ihn zukommt, weiß, daß der Strukturwandel in der Spedition noch stürmische Formen annehmen kann. Seit gut einem Jahr ist er Vorstands-Vorsitzender der „Kühne & Nagel Speditions-Aktiengesellschaft, Bremen“, die haftende Gesellschafterin der Kühne & Nagel KG ist. Von den zehn Millionen Mark Aktienkapital befinden sich 80 Prozent im Besitz der Familie und 20 Prozent in den Händen von Mitarbeitern, deren Aktienbesitz jedoch an die Mitarbeit in der Firma gebunden ist. Vater Kühne ist Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Zwei Jahre Banklehre und dann fünf Lehr- und Wanderjahre in der eigenen Firma, die ihn in alle fünf Kontinente führten, sind das Rüstzeug, mit dem Klaus-Michael Kühne das Unternehmen in die Zukunft führen muß. „Zu einem Studium blieb mir leider keine Zeit“, stellt er bedauernd fest. Die Praxis ging vor, denn der Vater wollte sein Haus rechtzeitig bestellt sehen. Auch zum Heiraten fehlte dem Porsche-Fahrer bis heute offenbar die Zeit. Heinz Michaels