Der Immermann-Preis wurde dem ebenso unmodischen wie modernen Romancier Wolf gang Koeppen verliehen. Die Laudatio, die wir hier auszugsweise drucken, hielt der bekannte Bonner Germanist Professor Dr. Benno von Wiese.

In diesen Tagen erhält Wolfgang Koeppen den Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf. Damit wird ein Schriftsteller öffentlich geehrt, der für die deutsche Nachkriegsliteratur repräsentative Bedeutung hat und trotzdem – verglichen mit Böll und Grass – relativ wenig bekannt ist.

Daran hat auch die Verleihung des Georg-Büchner-Preises im Jahre 1962 nicht allzuviel ändern können. Zwar haben namhafte Kritiker wie Walter Jens, Marcel Reich-Ranicki und Hans Mayer wiederholt auf den Rang Koeppens hingewiesen, aber für das breitere deutsche Publikum blieb er unbequem und schwer zugänglich.

Die konservativ Gesinnten nahmen ihm seine kompromißlose Schilderung unserer Zeit übel und riefen wieder einmal: Wo bleibt das Positive, Herr Koeppen!

Die „Avantgardisten“ fanden bereits seinen Jahrgang (1906) antiquiert; überdies sei er noch bei Döblin, Joyce, Dos Passos, vor allem bei Faulkner, ja sogar bei den großen französischen Realisten des 19. Jahrhunderts in die Schule gegangen und engagiere sich nicht genügend.

Dabei übersah man, wie viel es bedeutete, daß Koeppen bald nach dem Kriege die lange Zeit in Deutschland unbekannten oder bewußt unterdrückten Darstellungsmittel des modernen europäischen und amerikanischen Romans – nicht nur den inneren Monolog und die Montagetechnik, sondern auch die simultane Darstellung, die Verbindung von epischem Bericht, Dialog und gedachter Rede und die Technik der Slogans und Schlagzeilen – erneut zugänglich gemacht und damit dem Romanschaffen der Gegenwart in Deutschland eine fruchtbare Basis gegeben hat.

Reich-Ranicki hat Koeppen den „Zeugen“ genannt, Hans Mayer nannte ihn den „bewußten Außenseiter“. Die Bücher dieses Autors hatten das Mißgeschick, entweder zu spät oder zu früh zu kommen.