Eine Revisionsverhandlung des Bundesgerichtshofes – Paragraph 51, Absatz eins

oder zwei? – Im Namen des Volkes gegen Volkes Stimme

Von Uwe Nettelbeck

Als der Landwirt Pöhner aus Gesees am frühen Morgen des 14. März 1964, einem Sonnabend, in der Nähe der Brücke Spänfleck an der Autobahn Bayreuth–Nürnberg in einem Gebüsch das Menschenbein fand, lagen die meisten Bürger Bayreuths noch in ihren Betten. Als am 18. Oktober 1966 ein Bayreuther Schwurgericht nach zweimaliger Verhandlung den US-Oberleutnant Gerald M. Werner vom Vorwurf des Mordes freisprach und seine Unterbringung in eine Heil- und Pflegeanstalt verfügte, gingen die meisten Bürger Bayreuths auf die Barrikaden.

Den Landwirt Pöhner durchfuhr an jenem Morgen der Schreck seines Lebens. Er rannte los, zur Polizei. Die stand schon hundert Meter weiter an der Autobahn und nahm einen harmlosen Unfall auf. Noch während die Beamten Alarm gaben, fanden die drei in den Unfall verwickelten Berliner das zweite Bein und einen Arm. Und am Mittag des gleichen Tages entdeckten Journalisten vier Kilometer von Spänfleck entfernt, auf dem Parkplatz bei Unternschreez, den Rumpf und den anderen Arm und Polizisten den Kopf einer weiblichen Leiche. Die Gliedmaßen waren mit einem Messer vom Rumpf getrennt worden, der Rumpf war geöffnet, und obwohl die inneren Organe zum Teil entfernt worden waren, ergaben sich Zeichen dafür, daß bei dem Mädchen zur Zeit des Todes eine Schwangerschaft bestanden hatte. Als Todesursache schien ein Halsschnitt in Frage zu kommen.

Am Montag identifizierte der städtische Elektromeister Christian Schamel aus Bayreuth, nachdem seine Frau beim Frühstück entsetzt in einer Zeitung die Abbildung des aufgefundenen Kopfes erblickt hatte, die Leiche als die seiner neunzehnjährigen Tochter Ursula. Am Dienstag wurde der damals noch nicht siebenundzwanzigjährige Sicherheits- und Gerichtsoffizier des bei Bindlach stationierten Bataillons der US-Army, Oberleutnant Werner, verhaftet. Zu ihm war das Mädchen am Tage ihres Todes gefahren, die Kriminalpolizei hatte im Kofferräum seines Wagens und in seinem Badezimmer zahlreiche Blutspuren sicherstellen können und im Waschbecken ein erbsengroßes Stückchen Fettgewebe und in der Klärgrube des Hauses, in dem Werner wohnte, zwei handtellergroße Stücke einer menschlichen Bauchdecke sowie einen Fötus, eine Gebärmutter, eine Brust, die restlichen Eingeweide und Teile des Personalausweises von Ursula Schamel entdeckt. Am Mittwoch gestand Werner die Tat.

Er habe, sagte Werner, Ursula Schamel in der Badewanne getötet, weil er plötzlich, als er zu ihr in die Wanne steigen wollte, den unwiderstehlichen Drang verspürte, daß er den Unrat loswerden müsse; Ursula Schamel habe immer schmutzige Fingernägel gehabt. Er habe das Mädchen unter Wasser gedrückt und dann, als es sich nicht mehr regte, angefangen, es mit dem Rasiermesser zu zerschneiden. Teile der Leiche habe er in die Toilette gespült, andere, die zu groß waren, habe er in einen Karton gelegt und später mit seinem Wagen an die Autobahn gebracht und dort verstreut. Dann habe er das Badezimmer gesäubert. Die Nacht habe er mit einem anderen Mädchen verbracht, das ihn noch besuchte. Wie es zu der Tat kam, könne er nicht erklären, er habe eben nur den Unrat beseitigen wollen, einen anderen Gedanken habe er während der ganzen Zeit nicht gehabt. Alles erscheine ihm wie ein Traum, man solle ihm doch bitte erklären, warum er es getan habe.