Darauf ist Karlsruhe besonders stolz: daß die Bundesgartenschau die erste ist, die pünktlich fertig geworden ist, und eine, die nicht teurer geworden ist, als vorgesehen war. Bundespräsident Lübke hat sie am vorigen Wochenende eröffnet.

Die Tulpen – eine Million, darunter eine Neuzüchtung mit Namen „Karlsruhe“ – blühen zum Andenken an den Markgrafen Carl-Wilhelm von Baden-Durlach, den Fürsten, Liebhaber der schönen Künste, der Architektur, der Blumen (und der schönen Frauen), dem die Stadt ihre Entstehung und ihren berühmten fächerförmigen Grundriß mit den breiten Straßen verdankt, die alle vom Schloß ausgehen.

Diesem barocken Schloß – äußerlich originalgetreu wieder aufgebaut, innen mit Museum, Vortragssälen und Repräsentationsräumen neu gestaltet und attraktiv. anzusehen – wieder einen würdigen Rahmen zu geben, war ein Ziel der Gartenschau. Das andere war, aus dem früher in zwei Teile zerschnittenen Stadtgarten, der sich vom Bahnhof bis nahe an den Schloßplatz heranzieht, einen großen „innerstädtischen Erholungsraum“ zu machen mit allerlei Möglichkeiten für Spiel und Unterhaltung. Dazu gehören der Zoologische Garten, das Staatstheater, Ausstellungs- und Festhallen wie die Schwarzwaldhalle und die Nancyhalle, Restaurants, Cafés, Spielplätze für Kinder und Erwachsene. Vom Bahnhof aus können die Karlsruher und ihre Gäste jetzt im Grünen wandeln bis an den Schloßplatz und dann weiter durch den Schloßgarten bis in den Hardtwald.

Aber Karlsruhe wäre nicht zugleich wachsende Industriestadt und Sitz einer renommierten Technischen Hochschule, wenn es sein Augenmerk allein auf die Pflege barocken Erbes gerichtet hätte. So zeigen sich denn im Schloßgarten Architekten, Bildhauer und Gartenarchitekten mit neuartigen, verblüffenden Wasser- und Lichtkünsten, mit einem Bodenrelief aus Betonteilen, mit gekrümmten Wänden und Reflektoren aus Edelstahl und Kunststoff mit wechselnden Lichtreflexen.

Ob das alles mit dem Alten harmoniert, wird sich erst allmählich zeigen. Immerhin ist dafür gesorgt, daß die Karlsruher Gartenschau ein „sommerlanges Fest“ mit vielen Knalleffekten werden kann, genug, um vier Millionen Besucher anzulocken – so viel sind nötig, damit die Kasse stimmt. Die Bürger jedenfalls haben jetzt schon mehr als doppelt soviel Dauerkarten gekauft wie in Essen zur Gartenschau insgesamt.

Bei aller „show“ werden aber auch die Berufsgärtner und die Gartenliebhaber nicht zu kurz kommen – nach den Tulpen blühen Rosen, Sommerblumen, Stauden; es gibt viele Hallenschauen, eine Obst-, Gemüse- und Blumenbörse für jedermann, Muster-Kleingärten und in der „Waldstadt“ eine Anzahl von Atrium- und anderen Einfamilien-Häusern, an denen demonstriert wird, was alles man aus einem Hausgarten machen kann (und was das kostet). C. M. G.