In Kiel wurde „U 9“ in Dienst gestellt. Es ist das dritte Unterseeboot gleicher Nummer in der deutschen Marine. Und diese Nummer hat auch im tiefsten Binnenland aufhorchen lassen; denn mit „U 9“, dem ersten, hatten die Deutschen auch ihren ersten Seesieg über die Briten errungen.

Am 21. Mai 1913 hatte „U9“-Kommandant Otto Weddigen mit vier Torpedos drei Linienschiffe außer Gefecht gesetzt, und zwar die „Ostfriesland“, „Thüringen“ und „Friedrich der Große“. Das war im Manöver. Tatsächlich hatten die Schiffe keine Schramme erhalten; aber die Schiedsrichter mußten zugeben: im Ernstfall wären sie ausgefallen, gesunken vielleicht.

Im Ernstfall schoß der kaltblütige Westfale Weddigen am 22. September 1914. In fünfundsiebzig Minuten versenkte er vor der holländischen Küste die britischen Panzerkreuzer „Aboukir“, „Hogue“ und „Cressy“. Das ganze Boot erhielt das Eiserne Kreuz und wurde gefeiert, als wäre der Krieg schon gewonnen. Als er kurze Zeit darauf auch noch den britischen Kreuzer „Hawke“ vernichtet hatte, wurde Weddigen mit dem Pour le mérite ausgezeichnet, als erster U-Boot-Kommandant, als erster Marineoffizier überhaupt.

Weddigen fiel mit der gesamten Besatzung, nachdem er das Kommando über „U 29“ übernommen hatte. Sein neues Boot wurde am 18. März 1915 von dem britischen Schlachtschiff „Dreadnough“ gerammt. Das alte „U 9“ fuhr weiter als Schulboot, wurde 1918 an die Briten ausgeliefert und dann verschrottet. Das zweite „U 9“ wurde am 21. September 1935 in Dienst gestellt und am 20. August 1944 im Schwarzen Meer durch sowjetische Fliegerbomben versenkt. Da war der deutsche Unterwasser-Seemacht-Traum, der sich zuerst an Weddigens Erfolgen entzündet hatte, längst ausgeträumt.

Das dritte „U 9“ kann diesen Traum nicht zurückrufen. Es handelt sich um eines der modernsten, kleinen, konventionellen, also nicht nukleargetriebenen Unterseeboote, die es gibt, wahrscheinlich das modernste. Es ist ein Beispiel für allerlei Schwierigkeiten beim Aufbau der Bundesmarine: Eigentlich sollte es schon vor zwei Jahren in Dienst gestellt werden, aber dann kam die deutsche U-Boot-Stahl-Misere dazwischen. Der a-magnetische Stahl rostete rasch; „U 9“ ist das erste Boot, das von vornherein aus besseren Sorten gebaut wurde.

Das Beste, was man ihm wünschen kann, ist ein spätes friedliches Ende unter Schneidbrennern: Und wenn seine Besatzung Traditionsunterricht hat, wird man ihr hoffentlich nicht verschweigen, was Weddigen nach seinem Sieg über die drei Panzerkreuzer sagte (und was andere erfolgreiche U-Boot-Fahrer nach zwei Weltkriegen auch gesagt haben), als die Wiewar’s-denn-Frage gestellt wurde. „Scheußlich“, hat er geantwortet. rst.