Für die SEL Standard Elektrik Lorenz AG, Stuttgart, eine Tochtergesellschaft des amerikanischen ITT Konzerns, war das Jahr 1966 in doppelter Hinsicht schwierig. Zum einen hatte die Bundespost, die mit einem Umsatzanteil von 24 Prozent noch immer der größte Kunde des Unternehmens ist, die Aufträge gekürzt, zum anderen verursachte der stagnierende Rundfunk- und Fernsehmarkt Umsatzrückgänge und einen Verlust von 20 Millionen Mark. Der Umsatz der SEL Gruppe nahm daher 1966 nur noch geringfügig um 1 6 Prozent auf 1 08 Milliarden Mark zu, wobei die Gesellschaft der Bundespost Lieferungen in Höhe von 70 Millionen Mark kreditiert hatte.

Die Konsequenz für die Verwaltung war daher, wie Generaldirektor Abtmeyer sagte, schnell und hart zu handeln: Die Kapazität im Fernmeldebereich wurde rechtzeitig in diesem Jahr um 15 Prozent gedrosselt. Die Fernsehproduktion wurde auf das Werk Bochum konzentriert, wodurch die Werke Altena und Dortmund stillgelegt werden konnten. Außerdem wurde vor kurzem an Stelle einer für April vorgesehenen Kurzarbeit im Werk Pforzheim dessen Kapazität ebenfalls verkleinert. Diese Beschränkungen waren mit einer Verringerung der Belegschaft um 5240 auf etwas über 32 000 Beschäftigte verbunden. Die Verwaltung der SEL macht damit deutlich, daß sie zumindest für geraume Zeit nicht mehr mit der Geschäftsausweitung früherer Jahre rechnet. Dennoch ist Vorstandsmitglied Dieter Möhring, der Nachfolger des in den Aufsichtsrat übertretenden bisherigen Vorsitzenden des Vorstands Abtmeyer wird, durchaus optimistisch. Er glaubt, daß die Talfahrt mit dem 4. Quartal zu Ende geht und auch der Eventualhaushalt zu einer Belebung der Postaufträge führen wird. Ebenso erwartet er vom Einsetzen des Farbfernsehens, für das die SEL 40 Millionen Mark investiert hat, neue Impulse. Der relativ hoch erscheinende Preis für ein Farbfernsehgerät von rund 2500 Mark sei in Relation zu der heutigen Einkommenshöhe nicht größer als der Preis für ein Schwarz Weiß Gerät bei dessen Einführung vor 15 Jahren.

Die Zuversicht drückt sich auch in der Dividende für 1966 aus. Trotz eines Rückganges des Jahresüberschusses wird die Dividende von 16 Prozent beibehalten. Außerdem werden zur weiteren Ausschüttung 13 Millionen Mark Rücklagen aufgelöst. Aus der Steuerersparnis und dem Gewinnvortrag wird diese Summe auf 23 Millionen Mark aufgerundet, die die Aktionäre (nur noch 0 56 Prozent des Kapitals von 138 Millionen Mark sind in freien Händen) mit der Maßgabe erhalten, sie zu einer Kapitalerhöhung im Verhältnis 1:5 zu pari zu verwenden. C. D.