Von Kurt Wendt

Mit Stolz und Zuversicht, wie es seine Art ist, verkündete Professor Dr. Ing. e. h. Heinrich Nordhoff, Vorstandsvorsitzender der Volkswagenwerk AG, daß das VW-Werk nicht nur seinen zwei Millionen Volksaktionären für 1966 wieder eine Dividende von 20 Prozent zahlt, daß das Wolfsburger Unternehmen in jenem Jahr vielmehr 63 Mark pro Aktien verdient hat und in diesem Jahr eine Rekordsumme von 870 Millionen Mark für Investitionen ausgeben werde.

Doch nur allgemeine Angaben, daß die Produktion heute niedriger ist als im Vorjahr (um 20 bis 30 Prozent, wie es heißt); nur gestreift, daß in den ersten Monaten dieses Jahres weniger Autos verkauft worden sind als im Vorjahr (fast ein Drittel) – Beobachtungen, die bei den Volksaktionären die bange Frage aufkommen ließen: Wird Nordhoff auch für 1967 eine Dividende zahlen können und wie hoch?

Nur eine Zahl nannte der VW-Chef für 1967: In den USA sind im ersten Quartal fast 100 000 Volkswagen verkauft worden – ein Lichtblick im Jahr des Unbehagens für das größte Unternehmen der Bundesrepublik.

Im November vergangenen Jahres, als es um die Erhöhung des Aktienkapitals um 150 auf 750 Millionen Mark ging, hatte Nordhoff auf einer Pressekonferenz erklärt, die Verwaltung strebe auch für die kommenden Jahre einen Dividendensatz von 20 Prozent an.

Jetzt, fünf Monate später, war in Wolfsburg keine Rede von irgendwelchen Zusicherungen. „Ich kann ebensowenig in die Zukunft sehen wie jeder andere. Die Dividendenpolitik muß ertragsabhängig sein. Ich bin kein Freund der Dividendenkontinuität. Bei einem guten Ergebnis ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, auch eine gute Dividende zu zahlen. Die Aktie ist aber, so schloß Nordhoff dieses Kapitel, „ein Risikopapier“.

Eines steht heute schon fest: Im Geschäftsjahr 1967 wird sich der Gewinn verringern. Doch ebenso sicher läßt sich sagen, daß – wenn nicht eine katastrophale Verschlechterung der allgemeinwirtschaftlichen Situation eintritt – auch auf das erhöhte Kapital ein Gewinn erwirtschaftet werden wird, der eine Ausschüttung von 20 Prozent Dividende gestattet.