In merkwürdig schillernden und gelegentlich doppelsinnigen Sätzen geben DDR-Künstler ihre Kommentare zum kulturpolitisch merkwürdigerweise recht unergiebigen VII. Parteitag der SED.

Im Zentralorgan „Neues Deutschland“ zeigen Maler, Schriftsteller und Schauspieler sich zwar beeindruckt von der „Einmütigkeit der Parteitagsdelegierten, mit der sie der Führung der Partei folgten bei der Feststellung der großen Perspektive für die Zeit bis zur Vollendung des Sozialismus“. Sie bekennen sich bereit zur „ideologischen und ästhetischen Überprüfung unserer Kunstproduktionen vom Klassenstandpunkt her“, sie wollen die Kontakte der „Kulturschaffenden“ untereinander stärker pflegen und dafür sorgen, daß auch „andere schöpferische Kräfte unserer Gesellschaft“ in die Teamarbeit miteinbezogen werden.

Aber es wird auch eine Menge Unzufriedenheit deutlich. Die Genossen Arbeiter und Genossenschaftsbauern scheinendurchaus nicht immer die Bereitschaft und das Interesse zu zeigen, die sich Künstler nun einmal als Echo auf ihre Arbeit wünschen.

So erhofft sich Heinz Schröder, Intendant in Gera, für die Zukunft, daß „die besten Arbeiter in den Betrieben, die Neuerer und Mitglieder der sozialistischen Brigaden auch die besten Freunde des Theaters werden“.

Der Berliner Maler und Graphiker Oskar Neriinger verspricht sich einiges von der Einführung der Fünftagewoche, so, daß sie „vielen Menschen noch größere Möglichkeiten geben wird, sich mit den bedeutenden kulturellen Schöpfungen auch der bildenden Kunst durch häufigere Museums-, Vortrags- und Zirkelbesuche vertraut zu machen“. (Die Erfolge, die die Fünftagewoche in dieser Beziehung in der Bundesrepublik erzielte, dürften Nerlinger allerdings eher skeptisch als optimistisch stimmen.)

Nerlinger destillierte sich weiter aus Walter Ulbrichts Parteitagrede die verschiedenartig interpretierbare Aufforderung heraus, daß „die Künstler sich mit der Gefühls- und Denkwelt der Fortgeschrittensten unter den Arbeitern und Genossenschaftsbauern vertraut machen müssen“. Zu des Staatsratsvorsitzenden Hinweis auf die weitere Gültigkeit der Bitterfelder Empfehlungen riskiert der Berliner Schriftsteller Jo Schulz eine kühne Interpretation: „Ich verstehe Walter Ulbrichts Worte so: Weg von den Schmalspurgleisen des Individualismus – der Bitterfelder Weg braucht Autobahnniveau!“

Denn, so weiß Joachim Kretzschmar, Schauspieler in Karl-Marx-Stadt voll Hintergründigkeit: „Das Publikum will Gegenwartsprobleme dargestellt sehen. Es hat ein großes Bedürfnis nach Wahrheit und Schönheit.“ H. J. H.