Aus Stuttgart, wo die „Bundesarbeitsgemeinschaft für Nichtseßhaftenhilfe“ tagte, wurde gemeldet: Die Zahl der Nichtseßhaften, der Land- und Stadtstreicher also, ist in der Bundesrepublik sprunghaft um fünfunddreißig Prozent gestiegen. Die Arbeitsgemeinschaft, der Fachleute aus Ministerien, Fürsorgeämtern, Wohlfahrtsverbänden und so weiter angehören, hat ihrem Jahresbericht einen Titel gegeben; er heißt „Das Fiasko“. Und dem entspricht dann auch der Inhalt.

Da wird erklärt, daß viele „Tippelanten“ gleichsam „von Stadt zu Stadt gejagt“ werden. Eine sogenannte Auffangstelle berichtet, bei jährlich acht- bis zehntausend „Durchgängen“ müsse man die Herumstreunenden oft „mit einer einmaligen Übernachtung“ abfertigen. Von „Verlegenheitslösungen“ ist die Rede. Man schickt die Nichtseßhaften weiter: ins Elend, in die Krankheit, in die Verkommenheit, ins Verbrechen auch. Nur zehn Prozent werden „resozialisiert“.

Dabei könnten es neunzig und mehr Prozent sein. In Bethel, den berühmten Heil- und Hilfsstätten, die jetzt ihr hundertjähriges Bestehen feiern, hat man viele Tausende von Land- und Stadtstreichern betreut; und man hat gezählt, wie viele von ihnen sich geweigert haben, Arbeit anzunehmen: es waren ganze vierundzwanzig. Die Schiffbrüchigen der Konjunktur – sie sind in den allerwenigsten Fällen arbeitsscheu. Es sollte sich lohnen, ein paar lumpige Millionen Mark mehr für sie aufzuwenden. o.