So sehr ich mich geehrt fühle, daß sich sogar ein Vermessungsoberamtmann persönlich mit meiner Hausnummer beschäftigt, so habe ich doch andererseits den Eindruck, daß hier ein Beamter nicht richtig ausgelastet ist“ – schrieb ein Stuttgarter Bürger an seine Behörde. Denn ihn deuchte, mit solcher Ordnung sei etwas nicht in Ordnung. Der Vermessungoberamtmann hatte ihn schriftlich aufgefordert, das kleine c hinter seiner Hausnummer durch ein großes C zu ersetzen. Keine Rede davon, daß etwa der Postbote (oder ein Steuereintreiber) Schwierigkeiten mit der Identifizierung der Hausnummer gehabt hätte, nein, hier ging es um die Ordnung an sich, auf deutsch: um das Prinzip, koste es, was es wolle.

Das schien dem Bürger mit dem kleinen c zu teuer. So viel hochbezahlte Oberamtsmanns-Arbeitszeit für eine Lapalie sei sträflich, vor allem, wenn man das „wachsende Haushaltsdefizit“ und den „chronischen Geldmangel“ im Lande bedenke. Doch gemach, Bürger, das Geld kommt wieder herein im Lande Baden-Württemberg, zum Beispiel durch das Bezirksschulamt in Waldshut. Es fordert seine Briefempfänger mit einer Postkarte (20 Pfennig) auf, zuvor das Briefporto (30 Pfennig) einzusenden. Zwar zahlt der Bürger nunmehr 60 Pfennig – aber die Behörde spart 10 Pfennig an Steuergeldern.

Die Logik der Sparsamkeit wird zuweilen mit einer bedeutenden Sparsamkeit an Logik betrieben. Preis der Ordnung? a.