Dr. med. H. D. Röhrs: Hitlers Krankheit, Tatsache und Legende. Kurt Vowinckel Verlag, Neckargemünd; 201 Seiten, 15,– DM.

Der Autor, wenn er von der Bundesrepublik spricht, setzt das Wort „freiheitlich“ in Anführungszeichen. Warum? Weil sein voriges Buch „Hitler – die Zerstörung einer Persönlichkeit“ von Presse und Buchhandel boykottiert worden sei. Und das habe „selbst bei ausländischen Journalisten peinliches Erstaunen“ erregt.

Selbst bei ausländischen Journalisten ... An dieser Stelle verzichtet der frühere leitende Arzt in der Reichsgesundheitsführung sogar darauf, die Worte „nicht-deutsches Blut“ anzuwenden. Er hat es sonst sehr mit dem deutschen und dem nicht-deutschen Blut, wenn auch nicht mit der deutschen Sprache. Aber das findet man ja häufig in diesen Kreisen.

In seinem neuen – nicht boykottierten – Buch sind erstaunliche Feststellungen und Mitteilungen enthalten, freiwilliger und unfreiwilliger Art. Schon die ersten Seiten sind eine Offenbarung über den Autor. Weil sein Kollege Recktenwald die Behauptung veröffentlicht hat, Adolf Hitler habe in seiner Jugend eine infektiöse Gehirnhautentzündung durchgemacht, hielt es Dr. med. H. D. Röhrs für seine Pflicht, „wenigstens die grundlegenden Fehler Recktenwalds für die Nachwelt richtigzustellen“.

Und dann geht es los: Es gebe kaum etwas, was man nicht versucht hätte, Hitler anzuhangen. Aber: „Für den Historiker ist die Beurteilung eines geschichtlich bedeutsamen Menschen in seinem physiologisch bedingten und in seinem psychologischen Verhalten ein an sich schwieriges Gebiet.“ Je mehr sich der Autor mit der einschlägigen Literatur beschäftigt habe – so teilt er mit –, um so größer wurde die Empörung über die Verantwortungslosigkeit so vieler Autoren ...

Weil sie doch alle dem Führer etwas anhängen wollten.

Der frühere leitende Arzt in der Reichsgesundheitsführung erwähnt mit keinem Wort die Ermordung von Millionen Juden. Vielleicht, weil bei ihm – wie beim Kölner Klerus – Unsicherheit über die genaue Zahl besteht. Doch sagt er treuherzig: „Ich mußte feststellen, daß selbst bekannte und angesehene Historiker sich von diesem Trend“ – nämlich „Propaganda-Mythen“ – „haben verführen lassen. Das gilt nicht nur für ausländische Historiker, denen man das bis zu einem gewissen Grad verzeihen könnte“ – wegen nicht-deutschen Blutes –, „sondern beinahe noch mehr für deutsche Vertreter der Wissenschaft, die als Zeitgenossen doch selbst gesehen haben, was geschah.“