Nach den letzten Bilanzveröffentlichungen Bilanzpressekonferenzen besteht kein Zweifel mehr: Das Jahr 1967 wird für die deutsche Industrie hart werden. Es gibt zwar kaum noch Liquiditätsprobleme, an ihre Stelle traten dafür die Sorgen um die Rentablität und der schwindenden Auftragsbestände. Überall heißt es zwar: „Wir sind zuversichtlich, die gegenwärtige Krise zu überwinden“, aber ein Rezept, wie dies geschehen soll, weiß niemand. Entscheidend ist ein Wiederaufleben des Konsums. Aber der deutsche Bundesbürger, verwirrt durch die Diskussionen über die Konjunkturlage, über die Haushaltsdefizite und über die Folgen der Mehrwertsteuer, schnallt den Riemen enger und trägt sein Geld vorsichtshalber aufs Sparkonto.

Selbst dem versierten Anleger ist es kaum klarzumachen, daß er jetzt Aktien in Erwartung etwaiger höherer Unternehmensgewinne im Jahre 1968 kaufen soll. Soweit er zu. rechnen versteht, ist er allenfalls bereit, seine für die Wertpapieranlage zur Verfügung stehenden Mittel in festverzinsliche Wertpapiere zu stecken.

Aber auch ihr Absatz ist nicht mehr so stürmisch wie noch vor einigen Wochen. Für die Unterbringung der Bundesanleihe brauchten die Banken schon mehrere Tage. Die Spekulanten des? Rentenmarktes, nicht mehr mit nennenswerten Zinssenkungen rechnend, disponierten vorsichtiger und waren teilweise enttäuscht, daß sie ihre gezeichneten Beträge diesmal voll zugeteilt erhielten.

Die Kursrückgänge am Aktienmarkt – sie betrugen in den letzten beiden Wochen rund 5 Prozent – haben den Markt von spekulativen Engagements weitgehend bereinigt, Das ist tröstlich. Um so mehr, als sich der Abschwung bei relativ geringen Umsätzen vollzogen hat. Das läßt die Möglichkeit einer ebenso raschen Kurssteigerung offen. Aber wann wird das soweit sein? Mit den neuen Bonner Schlagworten zur Wirtschaftslage ist es nicht mehr getan. Die Zeiten der Vorschußlorbeeren sind vorüber. Jetzt wartet der Kapitalanleger auf sichtbare Erfolge der Wirtschaftspolitik.

Der Mut, gegen den Strom zu schwimmen, ist offenbar geschwunden. Selbst die immer noch recht flüssigen Investmentfonds zeigen nur wenig Aktivität. Kein Wunder, denn auch in den Vorstandsbüros der großen Banken weiß niemand, wohin die Reise in diesem Jahr noch gehen wird.

Ein gewisser Stabilisierungsfaktor wird die – wenn auch erheblich verlangsamte – Zinssenkung bleiben. Sie trägt zur Verringerung der Kluft bei, die heute noch zwischen der Aktienbarrendite und der Rentenrendite besteht. In den Börsensälen ist es begrüßt worden, daß manche Vorstände einem weiteren, meist ungerechtfertigten Kursverfall ihrer Aktien durch eine sehr frühzeitige Dividendenankündigung begegneten. Wie dies im Falle Conti-Gummi geschehen ist, wo wegen massierter Verkäufe aus der Großaktionärsfamilie ein Kurszusammenbruch drohte. Auch die AEG-Dividende, die trotz des erheblichen Gewinnschwunds in alter Höhe beibehalten wurde, ist als Stabilisierungsmoment empfunden worden. Der Aktionär sieht, daß hier eine Verwaltung den Standpunkt der Dividendenkontinuität nicht nur dann vertritt, wenn es gilt, höhere Ausschüttungen zu verhindern.

Die wenigen Anleger, die zur Zeit Aktien kaufen, versuchen allen Risiken auszuweichen. Sie engagieren sich bestenfalls dort, wo mit einiger Sicherheit auch für das laufende Geschäftsjahr mit günstigen Ergebnissen gerechnet werden kann. Es liegt an der Konjunktursituation, daß der Kreis der Gesellschaften, bei denen diese Voraussetzungen zutreffen, eng ist. Zumeist handelt es sich dabei um Unternehmen, bei denen sich das Kapital weitgehend in festen Händen befindet. K. W.