Das Verlangen des französischen Staatspräsidenten nach Sondervollmachten für soziale und wirtschaftliche Reformen wird die Regierung Pompidou möglicherweise in Schwierigkeiten bringen. Energischer Widerstand regt sich nicht nur in der Nationalversammlung, sondern auch im Kabinett. Aus Protest gegen de Gaulles Forderung trat der Minister für Ausrüstung und Wohnungsbau, Edgard Pisani, am letzten Freitag zurück.

Die Opposition steht jetzt vor der Alternative, am 17. Mai die auf sechs Monate befristeten Vollmachten zu billigen, oder eine Tadelsmotion einzubringen, für deren Erfolg freilich 244 Stimmen erforderlich sind. Die aus den vergangenen Wahlen, mit 121 Mandaten gestärkt hervorgegangene Linksföderation würde zusammen mit den 73 Abgeordneten der Kommunisten, den 41 Vertretern des Demokratischen Zentrums und den neun Unabhängigen über eine allerdings ungewisse Mehrheit von nur einer Stimme verfügen.

Die Blicke richten sich nun auf die 42 Abgeordneten der Unabhängigen Republikaner Giscard d’Estaings, der bisher mit den Gaullisten zu stimmen pflegte. D’Estaing beklagte sich bereits darüber, daß er von Pompidou nicht vollständig über die geforderten Vollmachten unterrichtet worden sei, die er zudem nur bis zum 1., nicht aber bis zum 31.Oktober befristet sehen will. Im ihrigen beschränkte er sich zunächst auf die Forderung, die Regierung möge ihr Verlangen nach Vollmachten besser begründen.