Robert Schumann: „Klavierquintett Es-dur op. 44“ und Wolfgang Amadeus Mozart: „Klavierquartett g-moll KV 478“; Leonard Bernstein, Klavier, Juilliard Streichquartett; CBS 72 540,25,– DM.

Die Tonart g-moll war von früh an Mozarts Bekenntnis-Tonart. Sie spiegelt immer, ohne Rücksicht auf übliche höfische Konventionen, den Musiker, seinen Unmut, seinen Trotz, seine innere Einsamkeit wider; den Zeitgenossen blieb dieser Mozart unverständlich. Wie von zwei Sinfonien (KV 183 und 550) oder dem Streichquintett KV 516 wurden sie auch von dem vorliegenden Klavierquartett überrascht, aus dessen bekenntnishafter Sphäre erst der verhaltene Jubel eines Dur-Finales herausführt. Dieses Finale schlägt die Gedankenbrücke zu Schumanns Klavierquintett Es-dur, das durchpulst wird von kraftvoller Lebensbejahung, vom Hochgefühl der endlich gewonnenen Zweisamkeit mit seiner Frau Clara. Nur wenige Werke des Romantikers sind so glücklich inspiriert, so überreich an kostbaren Einfällen, an Gegensätzen und deren Auflösung. „Kaum anzuhören, wenn es unter mittelmäßige Dilettantenhände fällt“ – dieses zeitgenössische Kritikerurteil über Mozarts Klavierquartett g-moll gilt auch für Schumanns op. 44. Aber herrlich anzuhören, möchte man fortsetzen, wenn es unter die richtigen Hände kommt. Die ungewöhnliche Begabung Leonard Bernsteins, des Klavier spielenden Chefs der New Yorker Philharmoniker, zusammen mit dem Können und der Musikalität des großartigen Juilliard Streichquartetts ergab eine Wiedergabe von vollkommener geistiger Übereinstimmung. Bernsteins Klavierspiel verschmilzt im Mozart-Quartett mit den differenzierten Streicherklängen zu stilvoller Einheit und gibt, kraftvoll forciert, im Schumann-Quintett den Ton an. Dabei wird die von versonnener Innerlichkeit bis zu jubelndem Überschwang reichende Ausdrucksskala Schumanns voll ausgenutzt. Die Aufnahmetechnik war bestens im Bilde und gab in Zweifelsfällen der Spontaneität des Augenblicks den Vorzug vor makelloser Tonschönheit.

Ekkehart Kroher