Dwight D. Eisenhower: Wagnis für den Frieden. Econ-Verlag, Düsseldorf; 576 Seiten, 30,– DM

Zu der amerikanischen Ausgabe der Eisenhowerschen Erinnerungen schrieb (am 4. Februar 1966) unser Rezensent Klaus Epstein:

Der zweite Band von Eisenhowers Memoiren ist eine große Enttäuschung. Selten hat eine an Spannungen reiche Periode durch eine verantwortlich im Mittelpunkt stehende Persönlichkeit eine weniger fesselnde Darstellung gefunden. Das bedeutet natürlich nicht, daß das Buch von denen, die sich um ein tieferes Verstehen der Periode bemühen, außer acht gelassen werden kann.

Der historisch wichtigste Teil des Buches ist Eisenhowers Behandlung der Suez-Krise im Herbst 1956. Die tagebuchartige Darstellung der „zwanzig erregenden Tage“ vom 20. Oktober bis zum 8. November 1956 vermittelt dem Leser die hektische Atmosphäre dieser durch die Gleichzeitigkeit von Suez-Krise, ungarischem Aufstand und Präsidialkampf geprägten Zeitspanne.

Eisenhower ist kein Homo politicus, Man spürt in jedem Kapitel, daß er in seinen Präsidialjahren Amerika mehr verwaltet als geführt hat. Seine Memoiren bringen die großen Versäumnisse der fünfziger Jahre, unter denen das Land trotz der Anstrengungen der Kennedy-Johnson-Ära heute noch leidet, zum Bewußtsein. Jedoch dürfen Eisenhowers Unterlassungen nicht zu einem ungerechten Gesamtbild der Eisenhower-Präsidentschaft führen. Er war gewiß kein großer Präsident; trotzdem haben seine Nominierung und Wahl im Jahre 1952 vorwiegend positive Folgen für Amerika und die Welt gehabt.

Die politische Kritik an Eisenhowers Amtszeit findet eine starke Stütze an seinen eigenen Darstellungen. Darüber sollte aber nicht vergessen werden, daß eine die Dinge oft allzu vereinfachende Anschauungsweise des durch den militärischen Führernimbus zur Präsidentschaft gelangten Eisenhower auch ihre liebenswerte Seite hat in der Einfachheit, Ehrenhaftigkeit und Ehrlichkeit eines Mannes, der von Politik wenig versteht und trotzdem – nach den Wahlresultaten zu urteilen –, so paradox es klingen mag, einer der erfolgreichsten Politiker der modernen Geschichte gewesen ist.