Ich sah ihn zum erstenmal auf der noch nicht freigegebenen Autobahn Turin-Piacenza, die FIAT für Testfahrten gemietet hat: den Fiat 125, einen schlichten und deshalb schönen Kompaktwagen ohne allen Firlefanz (wenn man von zwei nichtsnutzigen Chromleisten absieht).

Ich saß vorn und saß hinten, spielte mit den vielen Hebeln und klappte die Liegesitze nach hinten, ließ die Türen knallen und schaute unter die Motorhaube.

Unter der Haube liegt ein Vierzylinder-Hochleistungsmotor mit einem Hubraum von 1608 Kubikzentimeter. Bei 5600 U/min werden 90 DIN-PS abgegeben. Besondere Merkmale: Zwei oben liegende, durch Zahnriemen betätigte Nockenwellen, eine fünffach gelagerte Kurbelwelle und ein Doppelvergaser.

„Na, wollen Sie mal?“ sagte FIAT-Pressechef Jänicke. Ich wollte.

Ich wollte nur ein bißchen über den Circuito di Prova Ponticelli-Superga-Chieri bummeln – zum Eingewöhnen. Man muß sich ja an jeden Neuen gewöhnen.

Ich bummelte fünf Kilometer. Aber schon auf der Straße nach Trofarello trat ich das Gaspedal durch und ließ den Wagen jagen: „100“ hatte er in 18 Sekunden, „140“ in 34 Sekunden. Mehr war nicht drin – Gegenverkehr.

Auf der ruhigen Abzweigung nach Pecetto nahm ich die Hände vom Lenkrad. Der liegt! Und dann trat ich kräftig auf die Bremse. Der steht! Hinter Pecetto kommen die schönen Kurven – eine hinter der anderen, eine schärfer als die andere. Und da merkte ich: Die Turiner haben mal wieder etwas Besonderes gebaut, ein Auto, das man 1967 und gewiß auch noch 1977 Auto nennen darf. Relativ so gut wie der Fiat 124? Nun: Ein 42-Kilometer-Rundkurs, zweimal gefahren, macht 84 Kilometer plus zweimal 6,5-Kilometer-Teststrecke (Autobahn) sind 97 Kilometer. Für einen Test brauche ich 3000 bis 4000 Kilometer und einen Tag für Sonderprüfungen.