Walter Henkels: Ganz das Gegenteil; 132 Seiten, 158 Karikaturen, Leinen 10, – DM. Econ-Verlag, Düsseldorf.

Es ist von einem Buch zu berichten, das lachen oder schmunzeln machen möchte, das aber zunächst traurig stimmen will: Aus achttausend Karikaturen, die sich mit flottem Stift des Gespanns Adenauer-Erhard und ihres von Liebe und Haß, Verehrung und Verachtung genährten Verhältnisses annahmen, hat Walter Henkels hundertachtundfünfzig (nicht hunderteinundsiebzig, wie der Verlag behauptet) ausgewählt, um sie in seinem neuen Bändchen „Ganz das Gegenteil“ zu vereinen, und es erweist sich, daß eigentlich der Hälfte der aufgenommenen Zeichnungen der Einfall mangelt, ohne den die Karikatur ihren Sinn verfehlt. Sieht man von den renommierten Herren Flora, Hicks, Köhler und Lang ab, deren Witz voller Brisanz ist, dann bleibt nur noch ein schmaler Rest von Künstlern übrig, der ebenfalls von sich sagen dürfte, ihr Zeichenstift sei dem Gedanken oder etwa der Gedanke dem Stift ebenbürtig.

Man hätte sich denken können, daß den Karikaturen eine brillant geschriebene, den geschichtlichen Ablauf der vierzehn Jahre getreulich festhaltende „Verbundhistorie“ Adenauer-Erhard beigegeben worden wäre. Wer Walter Henkels, den frohsinnigen Beobachter der Bonner Bühne, kennt, weiß, daß ihm danach der Sinn nicht steht. Der Autor (freilich festgelegt durch die früher erschienenen Bände „Gar nicht so pingelig, meine Damen und Herren“ und „Dr. Adenauers gesammelte Schwänke“) philosophiert bald schulterklopfend, bald pfeileschießend, über Gott und die Welt der CDU, über Heuchelei im politischen Leben und über die Vergänglichkeit des Erfolgs wie des Mißerfolgs. Herausgekommen ist auf diese Weise ein nicht anspruchsvolles, aber jederzeit hohe Kennerschaft verratendes, mehr hingetupftes als pingelig geschriebenes Lehrbuch über den Umgang unter Parteifreunden, ein Bändchen, das bei aller Tragik, die gelegentlich durchschimmert, vergnügliche Beispiele dafür bringt, welches Amüsement in gepflegter politischer Unkollegialität stecken kann.

br.