Der Boom der Ferienhausfonds ging zu Ende, bevor er eigentlich angefangen hatte. Das große Geschäft machten meist allein die Initiatoren der Fonds, die Zeichner der Zertifikate hatten das Nachsehen. Versprechungen die ihnen gemacht wurden, konnten in vielen Fällen nicht eingehalten werden. Schlimmer noch, nicht selten hat sich herausgestellt, daß ihre Zertifikate nur den Wert bedruckten Papiers hatten.

Nicht wenige Leser haben in den letzten Monaten bei mir angefragt, ob dieser oder jener Fonds seriös sei und Vertrauen verdiene. In jedem Fall war ich in der Antwort „zurückhaltend“. Ob ein Fonds solide ist oder nicht, kann man von vornherein niemals beurteilen. Hier um so weniger, als die Ferienfonds völliges Neuland betraten.

Es gehörte allerdings keine große Rechenkunst dazu, Ferienfonds als reiner Kapitalanlage ein schlechtes Prädikat geben zu müssen. Und einen Maßstab dafür, wie der Wert für das Recht, in schön gelegenen Gegenden ein paar Tage frei wohnen zu können, zu bemessen ist, gibt es nicht. Die Zeichner von Ferien-Zertifikaten haben übersehen, daß sie nicht nur „wertbeständige“ Immobilien erwerben, sondern gleichzeitig auch das erhebliche Risiko, das nun einmal im internationalen Feriengeschäft mit seinen wechselnden Modeerscheinungen enthalten ist.

Das Düsseldorfer Bankhaus Poensgen, Marx & Co. berichtet in einer Untersuchung über die Verhältnisse bei einzelnen Ferienfonds, daß fünf solcher Fonds in letzter Zeit in Konkurs gegangen und fünf weitere so sehr von Verlusten betroffen sind, daß die Einzahlungen der Anleger überwiegend als verloren angesehen werden müssen.

Lassen wir, meine verehrten Leeser, die Frage beiseite, ob Ferienhausfonds überhaupt eine gute Anlage darstellen und ob die Idee funktionieren kann, statt Verzinsung das Recht des kostenlosen Wohnens für eine begrenzte Zeit zu erhalten. Daß hier erhebliche Bedenken am Platze sind, wird wohl nicht zu bestreiten sein.

Schlimm wird die Situation jedoch dann, wenn ein Fonds von vornherein mit unseriösen Methoden oder Absichten ins Leben gerufen wird. Die Werbung für den Absatz der Zertifikate war reißerisch; ihr Erfolg bewies, wie unkritisch zahlreiche deutsche Bundesbürger bei der Anlage ihrer Ersparnisse vorgehen. Die Folge ist, daß sich jetzt die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit mehreren Ermittlungsverfahren gegen Fonds-Gründer befassen muß.

„Wir haben. den Beweis erbracht, daß eine Geldanlage in entferntesten Urlaubsgebieten sehr gewinnbringend ist. Deshalb steigt der Erwerbspreis unserer Zertifikate Jahr für Jahr!“ So ein Argument der Werbung: Um den Wahrheitsgehalt zu untermauern, wurden die meisten Anteile zunächst zu 100 Prozent verkauft, später wurden sie – ohne daß jemals ein Rechenschaftsbericht veröffentlicht worden ist – bis 145 Prozent heraufgesetzt. Lag dieser Steigerung aber eine echte Werterhöhung zugrunde? Rückwirkend weiß man, daß diese Heraufsetzung lediglich dazu diente, den gutgläubigen Sparern noch mehr Geld für zweifelhafte Objekte aus der Tasche zu locken.