Von Wolfgang Paul

Das Burgenland, am Ostrand der Alpen gelegen, gegen das schlechte Westwetter abgeschirmt durch diese gewaltige Barriere, mit dem Leithagebirge und der Hügellandschaft südlich davon und den weiten Ebenen, die sich östlich des Neusiedler Sees in die Pußta erstrecken, ist ein Reiseland mit Schlössern und Dörfern, die noch einsam sind: eine uralte Kulturlandschaft, gesättigt von österreichisch-ungarischen Reminiszenzen. Erst mit der Angliederung an Österreich (1921) wurde das Burgenland eigenständig, vorher bestand es aus den westlichen Komitaten Ungarns, in denen die gemeinsame deutsche Sprache über Jahrhunderte verbindend wirkte.

Was Österreich war, was Ungarn gewesen ist, das hat sich hier erhalten. Es zeigt sich im Schloß der Eszterházys: Hier hat Josef Haydn das Oratorium „Die Jahreszeiten“ komponiert, dessen Charakter diese Landschaft ist. In der Haydnkirche liegt er begraben.

Hinter Eisenstadt geht es hinauf zur Wallfahrtskirche von Loretto im Leithagebirge und wieder hinab in die Ebene zum Neufelder See. Nicht weit davon liegt Neudörfl, wo Rudolf Steiner geboren ist, der Anthroposoph, daneben Bad Sauerbrunn. Von hier ist es nicht weit zur Burg Forchtenstein, die an Franz Grillparzer erinnert. Dort finden auf einer Freilichtbühne die Grillparzer-Festspiele (Mitte Juni bis Ende Juli) statt. Da liegt das nördliche Burgenland unter uns, mit dem zarten Leithagebirge am Horizont und dem langgestreckten Neusiedler See. Weiter über Mattersburg und Trausdorf zum Steinbruch von St. Margarethen.

Europäische Bildhauer treffen sich hier zu Symposien. St. Margarethen selbst ist ein Künstlerdorf geworden, ein wenig extravagant schon wie andere Künstlerdörfer auch. Dann erreicht die Straße Rust am Neusiedler See. Auf den Dächern Storchennester. Der Rüster Wein, in den Kellern oder Buschenschänken probiert. Später das Bad im seichten, milchigblauen See, dessen Grund morastig ist und den man von Ufer zu Ufer durchwaten kann.