Teures Glück der Männer

Von Leona Siebenschön

Für Immanuel Kant war die Ehe „ein Vertrag zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften“. Für das durchschnittliche Liebespaar unserer Zeit gehört jener Besitz schon zu den Präliminarien der Liaison, bevor sie irgendwie vertraglich fixiert wird. Nach einer westdeutschen „Umfrage in der Intimsphäre“ tragen mindestens sieben von zehn Bräuten den weißen Schleier der Unschuld zu Unrecht.

Für den Apostel Paulus war die Ehe eine sittenpolizeiliche Schutzmaßnahme: „Um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib.“ Für einen Mann von heute ist das keineswegs Grund genug, sich in die kirchlich und staatlich sanktionierte Zweisamkeit zu begeben. Jeder zweite männliche Bundesbürger widersetzt sich der apostolischen Parole und betrügt sein eigen Weib.

Für die biblischen Patriarchen war die Ehe eine Basis für Wohlstand und Macht: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.“ Für den Homo sapiens des zwanzigsten Jahrhunderts gilt dieses biblische Gebot auch vor und außerhalb der Legalität. Nahezu ein Drittel aller westdeutschen Bräute trägt am Hochzeitstag ein Kind auf dem Arm oder unter dem Herzen.

Für den französischen Grafen der vornapoleonischen Ära war die Ehe barer Gewinn: Der Schwiegervater zahlte ihm (wie Madame Sévigné überliefert hat) am Stichtag mindestens 500 000 Francs. Für den Mann von heute ist die Ehe ein glattes Verlustgeschäft. Jede zweite bundesdeutsche Braut bringt keine Mitgift ein, doch der Aufbau eines Ersthaushalts kostet (nach sparsamer Durchschnitts-Konsum-Norm) mindestens zwölftausend Mark.

Gesteigerte Hochzeitslust