M., Düsseldorf

In der Nacht zum Freitag voriger Woche herrschte in der Düsseldorfer Altstadt Wehmut. Aber sie verwandelte sich, wie an dieser Stelle nicht anders möglich, in reine Freude: Das „Kom(m)ödchen“ der beliebten, berühmten Lorentz zog aus seiner alten, armen Kabarettklause aus und in ein neues, schönes Theaterchen ein. Ein paar Schritte nur, sozusagen um die Ecke.

Diese Kabarettisten, die das Wunder fertig gebracht haben, zwanzig Jahre hindurch „Kleinkunst“, nämlich Meisterproben humoristisch-ironischer Art zu bieten, die in ihrer künstlichen Form stets modern, in ihrer aufs Politische zielende Pointe immer modern war, waren längst schon „arriviert“, ehe sie in ein ihrem Rang entsprechendes Haus umzogen. Das neue Haus hat viele Plätze. Und wehmütig denken die Düsseldorfer an den Text, den sie oft enttäuscht auf dem Plakat an der Kasse im jetzt verlassenen Souterrain fanden: „Gott sei Dank ausverkauft“.

Die Lorentzens bewundern Monsieur Tati, dessen humoristisch-verwegene Filme für Kenner Kaviar ist. Tati, einmal als Revue-Regisseur in einem prominenten Pariser Unterhaltungs-Palast engagiert, bot seinen ersten „Gag“ folgendermaßen: „So, mein hochverehrtes Publikum, jetzt tauschen wir alle die Plätze: Die oben sind, müssen nach unten und umgekehrt.“ Protest. Buh-Rufe. Der Witz kam nicht an. Blamage für Tati.

Kai Lorentz überraschte sein Publikum, das den alten „Keller“ füllte, in der Pause mit der Nachricht: „Jetzt ziehen wir um ins Haus.“ Und er bat das verehrte Publikum, beim Transport der Sessel, Möbel und Utensilien ein bißchen mitzuhelfen.

Wie froh wäre Tati in Düsseldorf gewesen! Es herrschte eitel Freude, eitel Transport.

Der zweite Teil des Programms fand bei noch gesteigerter Laune im neuen Hause statt. Wir Gäste trugen mit Stühlen und Tischen die alten Traditionen in die neue Welt, die durch die Fenster – Gott sei Dank – einen wunderschönen Blick auf die alte Andreaskirche erlaubt. Indem wir das Kom(m)ödchen verrücken halfen, hatten wir wortwörtlich zum Programm und zum Start in die Zukunft beigetragen.

Wir fanden das Kom(m)ödchen und uns und Düsseldorf herrlich in dieser Nacht.