Am Wochenende wehten die Fahnen in Griechenland auf halbmast – nicht weil die Demokratie dort eine Bataille verloren hat, sondern weil die Orthodoxen ihr Osterfest begingen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zeigte sich König Konstantin erstmals seit dem Militärputsch wieder in der Öffentlichkeit. Von der Menge wurde er mit stürmischem Beifall begrüßt.

Weit komplizierter gestalteten sich die Beziehungen zwischen dem König und der neuen Militärregierung: Ein erstes Photo von Ende letzter Woche zeigt einen verschlossenen, fast traurig dreinblickenden Konstantin inmitten einer Runde ernster Ministergesichter.

Das Bild wurde nach einer Kabinettssitzung aufgenommen, auf der der König erklärt hatte: „Sie, Herr Ministerpräsident, haben richtig bemerkt, daß es mein glühender Wunsch ist, daß das Land sobald wie möglich zur parlamentarischen Regierungsweise zurückkehrt.“

Wann und wie das geschehen wird, bestimmen für absehbare Zukunft jedoch allein die Putschistenführer um den Minister im Amt des Ministerpräsidenten, Oberst Papadopoulos, der auf einer Pressekonferenz über das fernere Schicksal Griechenlands die bezeichnenden Worte fand: Der schwerkranke Patient könne nur durch eine Operation geheilt werden, und dazu müsse man ihn an den Tisch fesseln.

Wichtiger als das Bekenntnis Konstantins zum parlamentarischen Regierungssystem war dem Regime die bloße Anwesenheit des Königs auf jener Kabinettssitzung, denn von daher konnte es wenigstens den Anschein einer Rechtfertigung für seine Existenz ableiten. Denn als zutreffend ist erwiesen: Die Armee hat ohne Wissen und Willen ihres Oberbefehlshabers geputscht, gegen die Verfassung verstoßen und hat am Morgen der Machtübernahme eine königliche Proklamation gefälscht.

Inzwischen begannen die Militärs denn auch ungerührt mit jener Operation, die nach Ansicht des stellvertretenden Ministerpräsidenten, General Spandidakis, nötig ist, um Griechenland auf den „korrekten Weg der Demokratie“ zurückzuführen: Nachdem vorübergehend Ausnahmerecht geherrscht hatte, das zum Osterfest etwas gelockert wurde, untersagte ein Moraldekret den Jugendlichen lange Haare und Mini-Röcke und machte ihnen den Kirchgang obligatorisch. Am letzten Sonnabend wurden dann die „Vereinigte Demokratische Linke“ (EDA) und die Jugendorganisationen aller anderen Parteien verboten. Zwar wurden nach Angaben des Obersten Patakos 1328 verhaftete Personen wieder freigelassen, doch befanden sich Ende letzter Woche noch mehr als 5000 Personen in den Internierungslagern.

Von Moskau bis Paris fanden Demonstrationen gegen den Regimewechsel in Griechenland statt. In den ersten Tagen wurde in Washington erwogen, ob die Vereinigten Staaten ihre militärische und wirtschaftliche Hilfe einstellen sollten.

Inzwischen aber hat man sich in den westlichen Hauptstädten anders besonnen. Washington und London zeigten der neuen Regierung an, daß man geschäftsmäßig mit ihr verkehren wolle. Die Frage einer formellen Anerkennung des Regimes stelle sich gar nicht, weil die Botschafter stets bei König Konstantin akkreditiert gewesen seien.