Von Werner Höfer

Was kam denn da ins Haus?“ werden (mit Lope de Vega) manche Bonner Beobachter fragen, wenn Frau Dr. Helga Wex ihre Jungfernrede vor dem Bundestag hält. Die meisten, die Jüngeren zumal, werden entzückt, einige wenige, die Älteren vielleicht, verstört sein über soviel Charme und Verve. Die Journalisten werden sich beeilen, daß schmückende Beiwort einer „Miß Bundestag“, das von Dr. med. Hedda Häuser zu Dr. rer. pol. Ursula Krips gelangt ist, jetzt weiterwandern zu lassen an Dr. phil. Helga Wex – womit nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch dem Parteienproporz Genüge getan wäre. FDP, SPD und CDU hätten je einmal die „Schönste im Hohen Haus“ gestellt.

Die Jungpolitikerin aus Mülheim an der Ruhr kann gar nicht verhindern, daß sie „auffällt“. Für Aufsehen war schon gesorgt, bevor sie ihre Arbeit im Parlament aufnahm, denn sie verdankt ihren „Aufstieg“ in den Bundestag dem Umstand, daß ein Abgeordneter, der vor ihr auf der Landesliste stand, von seinem Platz abberufen wurde. Dieser Abgeordnete war Konrad Adenauer.

„Ist der Nachrückprozeß, der durch die Diktatur des Todes und die Automatik der Listenwahl ausgelöst wird, ohnehin schon fatal, so ist mein Weg ins Parlament, in Zusammenhang gebracht mit dem Abschied von Konrad Adenauer, völlig unadäquat.“

Alle Fragen des Taktes hat die parlamentarische Erbin des ersten Bundeskanzlers sofort souverän gelöst: Sie hat sich nicht vorgedrängt und wird sich erst mehr als vierzehn Tage nach dem Tod von Rhöndorf in der Fraktion vorstellen.

Der Mann, der ihre Einführung vorzunehmen hat, ist freilich ein alter Bekannter. Als sie beide noch zum jüngsten, wenn auch hoffnungsvollsten politischen Nachwuchs gehörten, haben sie sich in der Bonner Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen kennengelernt. Rainer Barzel war damals einer der Mitarbeiter Karl Arnolds, während das Fräulein Dr. Helga Schimke, wie sie als unverheiratete Polito-Akademikerin hieß, zum Stabe Carl Spieckers zählte. Von diesem früheren Berliner Zentrumsabgeordneten und späteren CDU-Mann der ersten Stunde spricht sie mit Dankbarkeit und Respekt. Von ihm lernte sie, daß ein Politiker um so glaubwürdiger wirkt, je unabhängiger er ist.“

Unabhängig will sie bleiben. Partei und Fraktion der CDU haben in ihr keine Hinterbänklerin von der Fügsamkeit einer Novizin zu erwarten. Lebenslauf, Studiengang, Berufsweg und Freundeskreis lassen ahnen, daß sie alles andere als ein Dutzendwesen ist. Schon wenn sie ihren Geburtsort nennt, hat sie das Schmunzeln des Zuhörers bereits einkalkuliert: Buxtehude.