Jugendliche Demonstranten stürmten vorige Woche die US-Botschaft und die Zentrale der amerikanischen Entwicklungshilfe in der jemenitischen Stadt Taizz. Angeblich hatten sich amerikanische Zivilisten als Agenten betätigt. Die USA stellten sofort ihre Hilfe ein. Die republikanische Regierung des Jemen hatte seit 1959 Leistungen für 170 Millionen Mark entgegengenommen.

Alle amerikanischen Beamten und deren Familien werden so bald wie möglich abgezogen. Dagegen sollen die diplomatischen Beziehungen, die Amerika 1962 als erstes Land des Westens zum republikanischen Regime aufgenommen hatte, vorerst unangetastet bleiben. Die USA sind in Sana freilich seit jeher nur durch einen Geschäftsträger vertreten gewesen.

Die neuen schweren Zwischenfälle sind vor dem Hintergrund der militärischen Entwicklung im Jemen zu sehen. Nach einer zwanzigmonatigen „Feuerpause“, die nur durch sporadische Guerillakämpfe unterbrochen wurde, bereiten sich beide Seiten offenbar auf eine neue Runde vor.

Die von Nasser gestützte republikanische Regierung erhielt jüngst moralischen Beistand durch Ex-König Saud von Saudi-Arabien, der bei seiner Ankunft in Sana von Staatspräsident Sallal als „legaler Herrscher Saudi-Arabiens“ gepriesen wurde.

Am Vorabend einer Inspektionsreise, die Nassers Stellvertreter Marschall Amer und der ägyptische Kriegsminister Oberst Badran letzte Woche in den Jemen unternahmen, klagte allerdings ein Sprecher in Kairo, die ägyptische Kriegführung habe gewisse „Schwierigkeiten der Taktik und des Geländes“ zu überwinden.

Dagegen meldete die von Saudi-Arabien unterstützte Kriegspartei des Imam in letzter Zeit einige beachtliche Erfolge. Unterdessen beendete Prinz Mohammed, ben Hussein, Oberbefehlshaber der royalistischen Streitkräfte im Jemen, seine sechsmonatigen Verhandlungen mit König Feisal über weitere militärische Hilfeleistungen.