Die Pharaonen und Königinnen des alten Ägypten hatten vor mehr als 3000 Jahren die gleichen Zahnprobleme und Zahnschmerzen wie die Menschen der Gegenwart, So lautet das Ergebnis einer Forschergruppe der Universität von Michigan, die von einer Expedition in Ägypten 250 Röntgenaufnahmen der Zähne und Schädel altägyptischer Mumien mitgebracht hat.

Ägyptologen nehmen an, daß es in der Periode zwischen 1580 und etwa 1000 vor Christi Geburt in Ägypten bereits Dentisten gegeben habe, die bestimmte Zahnbehandlungen vorgenommen haben und sogar Brücken anfertigen konnten. Dies konnten allerdings die Wissenschaftler nicht bestätigen, obgleich sie Aufnahmen von mehr als 50 der damals gottähnlichen Herrscher ausgewertet haben.

Ramses II., der zur gleichen Zeit in Ägypten herrschte, in der nach Meinung der Historiker Moses geboren wurde, litt unter schwerer Paradontose. Die Röntgenaufnahmen zeigen deutlich Veränderungen am Knochengewebe der Zahnhöhlen; Auch sein Gebiß war arg beschädigt – nach Meinung von Dr. James E. Harris dem Leiter der Expedition und Professor für Zahnheilkunde, eine Folge der einseitigen Ernährungsweise des altägyptischen Königs.

Unter den anderen Herrschern, deren Zähne mit Hilfe der Röntgenaufnahmen untersucht worden sind, befanden sich Merenptah, unter dessen Herrschaft die Juden aus Ägypten vertrieben worden sind, Sethos I., ein großer Krieger, der die Herrschaft Ägyptens über Palästina, Libyen, Syrien, Phönizien und andere Staaten des Nahen Ostens wiederherstellte, Amenhotep I., einer der Begründer der XVIII. Dynastie und Sekenere II., der die Ägypter um 1600 vor Christus von der Fremdherrschaft der Hyksos befreite.

Bei einer Reihe von Pharaonen zeigte sich eine eigenartige Gebißanomalie: Ober- und Unterkiefer stehen nicht in der normalen Anordnung zueinander. Die Erklärung früherer Wissenschaftler, diese Veränderungen wären, durch die Behandlung bei der Einbalsamierung, entstanden, wird von Professor Harris nicht geteilt. Nach seiner Meinung handelt es sich um angeborene, vielleicht sogar erbliche Mißbildungen.

Die Röntgenaufnahmen wurden meist seitlich durch den Kopf der Mumien hindurch gemacht. Man benutzte ein tragbares Gerät mit einer radioaktiven Strahlungsquelle, dem Element Ytterbium 169. Um die Mumien im Kairoer Nationalmuseum nicht zu beschädigen, mußten die Schädel durch die gläsernen oder hölzernen Schaukästen hindurch aufgenommen werden. Amenhotep I. wurde durch den geschlossenen Sarkophag hindurch geröntgt.

Uwe Reng