In der Bundestagsdebatte über die Sachverständigengutachten zur Wirtschaftslage war keine Fraktion imstande, gegenüber dem sachlich wie rhetorisch brillanten Wirtschaftsminister Schiller einen adäquaten Redner aufzubieten. Schiller freilich erlag leider der Versuchung, mit Ironie und einer gehörigen Portion Schnoddrigkeit all diejenigen wie Schulbuben abzukanzeln, die anderer Meinung sind als er: Bundesbankpräsident Blessing, BDI-Präsident Berg, DIHT-Präsident Schneider und wie sie alle heißen.

Man kann in der Tat darüber diskutieren, ob der Bundesbankpräsident mit seiner bedächtigen Notenbankpolitik „richtig liegt“; auch darüber, ob das Spitzenmanagement unserer Wirtschaftsverbände in seiner etwas patriarchalisch-konservativen Art zu argumentieren noch auf der Höhe der Zeit ist. Schiller wird sich jedoch zunächst damit abfinden müssen, daß ihm die etablierten Partner gegenübersitzen.

Da er seine Politik schlecht gegen die Notenbank und gegen die Wirtschaft durchsetzen kann, sollte er sich schon aus rein taktischen Erwägungen hüten, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als bestehe der Kreis seiner Gesprächspartner überwiegend aus Ignoranten und nur er allein sei der kluge Lehrmeister. In der Sache braucht er nichts zurückzunehmen. Aber zur Politik gehört auch die Form, eben „Pietät und Takt“, wie Schiller selbst sooft sagt. hf.