In der kommenden Woche (am 8. Mai) soll die „Gesellschaft zur Finanzierung von Industrieanlagen GmbH“ (GEFI) gegründet werden. Gesellschafter sind die gleichen Kreditinstitute, die hinter der Ausfuhrkreditanstalt (AKA) stehen. Daraus kann vielleicht geschlossen werden, daß es sich um die Förderung deutscher Exporte handelt. Der Name der neuen Gesellschaft verschweigt aber diskret, wo man die Industrieanlagen errichten will, in Mitteldeutschland nämlich.

Das Institut fördert also den Interzonenhandel, genauer gesagt, westdeutsche Lieferungen von Investitionsgütern in den anderen Teil Deutschlands. Mitteldeutsche Firmen erhalten so die gleichen Kreditmöglichkeiten, wie sie auch andere Unternehmen in aller Welt bei der Abnahme westdeutscher Investitionsgüter bekommen. Die östlichen Verbündeten der DDR gewähren ihr längst nicht solche vorteilhaften Kaufbedingungen.

Daß auch Pankow an westdeutschen Waren lebhaft interessiert ist, beweist der sprunghafte Anstieg des Austauschvolumens im vergangenen Jahr. Sorgenkinder sind jedoch die weit zurückbleibenden Gegenlieferungen geworden. Es kann also durchaus der Fall eintreten, daß der Interzonenhandel trotz der neuen Fördergesellschaft stagniert. Das ändert nichts daran, daß die neue Gesellschaft Ausdruck einer realistischen Einstellung gegenüber Mitteldeutschland und deshalb zu begrüßen ist. ks.