Das Reifenmännchen ist wieder im Lande, nun schon zum vierten Male. Es mustert und prüft, kostet und genießt, studiert und vergleicht. Es ist das Symbol gut beratener Reiselust und vertrauenswürdiger Gastronomie. Denn das Reifenmännchen kennt sich aus. Es ist, mit einem Wort, Initial auch des deutschen Michelin-Reiseführers 1967, herausgegeben von den Michelin-Reifenwerken (12,80 Mark).

Die Ausgabe, gestützt auf die Erfahrungen dreier Vorgänger, ist der kleine Bruder des großen französischen Guide Michelin, eines Klassikers gallischer Gourmandise mit Reputation und Ahnenreihe seit Beginn des Jahrhunderts. Und doch hat der Mitläufer auf unsichtbaren Gummireifen schon die viersprachige Beredsamkeit autochthoner Kennerschaft, zählt 719 Seiten, nennt 1000 Hotels und Restaurants mehr als der Vorgänger und verteilt gemessen Lob, Gunst und Sterne über deutsche Hotelbetten, Küchen und Weinkellern zwischen List und Garmisch-Partenkirchen (Orte mit mindestens einem angenehmen Hotel).

Das Reifenmännchen hat sich merklich eingespielt auf die deutschen Provinzen mit ihrem Rauchfleisch und Speckkuchen, ihrem Appelwoi und Bier. Dazu brüstet es sich in allerlei Begleittexten, wie gewissenhaft es doch sei und daß es keine Aufnahme durch falsche Information und Bestechung dulde. Gerade, als würde man das bei solchem Führer nicht als selbstverständlich voraussetzen. Gegönnt sei ihm, als gutem Geist, ein Platz in jedem Handschuhfach. WB

Die polnische Regierung hat kürzlich die Möglichkeiten für Urlaubsreisen in die benachbarten Ostblockländer stark beschränkt. Der jährliche Devisenverlust im Reiseverkehr von rund 70 Millionen Zloty (elf bis fünfzehn Millionen Mark) erscheint der Regierung zu hoch.