Seinen nackten Oberkörper schmückten Perlenschnüre, sein Haar zierten graue Eulenfedern, seine Hand hielt eine Streitaxt, als König Sobhuzi II. von Swaziland den Eid auf die neue Verfassung ablegte. Damit tat das ehemals britische Protektorat, eine Enklave im Nordosten der Südafrikanischen Union, erste Schritte in Richtung auf seine völlige Unabhängigkeit, die London noch vor 1969 gewähren will. Dann wäre die letzte britische Besitzung in Afrika liquidiert.

Vorausgegangen sind die zweiten Parlamentswahlen des Landes, die der royalistisch-konservativen Imbokvodo-Bewegung 80 Prozent der Stimmen und damit alle 24 Sitze in der Nationalversammlung zu Mbabane eintrug. Premierminister wurde Prinz Makhosini Diamini, ein Verwandter des 78jährigen Königs.

Dr. A. P. Zwane, Führer des panafrikanisch-sozialistischen „Ngwane-Nationalen Befreiungskongresses“ (NNLC) mußte sich mit der Rolle des außerparlamentarischen Oppositionsführers begnügen. Auch die „United Swaziland Association“ (USA) der weißen Siedler konnte kein Mandat erringen.

Während England in der Übergangszeit bis 1969 Schutzmacht bleibt und sich die Leitung der Außenpolitik vorbehält, richten sich Prinz Makhosinis Hoffnungen auf ein gutes Verhältnis zur Südafrikanischen Union und zum benachbarten Mozambique (Portugiesisch-Ostafrika), was schon aus handels- und verkehrspolitischen Gründen unerläßlich ist. Innenpolitisch möchte er de bewährte Verbindung zwischen schwarzem Stammesfürstentum und weißer Oberschicht konservieren.

Ob ihm das gegen die anbrandende Welle des afrikanischen Nationalismus gelingen wird, ist freilich ungewiß. Die wirtschaftliche Basis Swazilands ist schmal. Noch heute muß die britische Regierung Zuschüsse zahlen – 1967 allein 14 Millionen Mark Der Haushalt ist chronisch defizitär. Eisen-, Gold- und Asbestminen geben zwar ein gewisses Fundament für eine Industrialisierung des Landes ab. Doch sind die Arbeitsplätze rar, die Löhne niedrig. Zucker, Zitrusfrüchte, Ananas, Bananen produziert die Landwirtschaft im Überfluß. Doch sind es bislang überwiegend noch die Weißen, die die Gewinne kassieren. Knapp 50 Prozent des Landes ist Eigentum von ausländischen Firmen, Missionen und europäischen Privatpersonen, oder gehört der britischen Krone.

Diesen Besitzverhältnissen vor allem hat Oppositionsführer Zwane bereits den Kampf angesagt: „Kein Volk wird sich bei einer solchen Landaufteilung unabhängig fühlen.“ Noch zwingt ihn sein schwacher Rückhalt bei den Wählern zur Mäßigung. Zwane fordert daher eine gesetzliche Entschädigung der Eigentümer.