Von Adolf Metzner

Als Erfinder des Wettkampfsports, der Agonistik, gelten die alten Griechen. Kultisch fing es an, sogar ein gesichertes Datum ist vorhanden. Im Jahrhundert Homers, genau im Jahre 776 v. Chr., begann man in Olympia alle vier Jahre zu feiern, und das währte fast 1200 Jahre lang, bis die Christen dem heidnischen Fest den Garaus machten.

Manchen Sporthistorikern ist aber auch dies noch nicht lang genug, sie steigen empor in die wogende Welt der Mythen und verkünden, Olympia sei noch viel älter und reiche weit ins zweite vorchristliche Jahrtausend hinein. Die ältesten Funde der deutschen Archäologen stammen aber aus dem siebenten „orientalisierenden“ und dem achten, letzten „geometrischen“ Jahrhundert, bestätigen also das geschichtliche Gründungsdatum.

Natürlich hat es auch schon vor Olympia und vor den Griechen „Leibesübungen“ gegeben oder wenn man will Sport. Aber sie waren entweder Kult oder, modern gesagt, Wehrsport. An den Ufern des Nils, des Euphrats und Tigris, im Hochland von Anatolien und auf der Insel Kreta wurden entsprechende Denkmäler oder Zeugnisse entdeckt.

Am interessantesten dürfte der minoische Sport sein, nicht nur, weil die „göttliche Insel“ heute zu Europa gehört, sondern weil er vielleicht auch Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der griechischen Agonistik oder Gymnastik geben könnte. Halten wir es mit den Mythen, so wurde ja Göttervater Zeus auf Kreta geboren, und hierher zog er als Stier, seine reizende phönizische Prinzessin Europa auf dem Rücken, ins „Liebesnest“.

In kaum einem anderen Kulturkreis rund um das östliche Mittelmeer schießen nun die Spekulationen so wild ins Kraut wie gerade im minoischen. Das hat seinen Grund. Einmal ist die hieroglyphische Schrift, auch Linear A, noch nicht entziffert, weil man die Sprache der Minoer nicht kennt. Linear B wurde zwar 1953 von den Engländern Ventris und Chadwick mit der Technik der Geheimcode-Knacker entschlüsselt, erwies sich aber als ein archaisches Griechisch. Die Ritzungen auf den Tontafeln gaben weder Auskunft über Details der Kultur der Minoer noch der Mykener, sondern sie berichteten nur ganz sachlich über höchst alltägliche Dinge: Personalbestand, Zahl der Schafe, Menge der Vorräte und so weiter.

Außerdem wurde der Palast von Knossos von einem selbstherrlichen Mann, dem Engländer Evans, ausgegraben, dessen üppige Phantasie, die nur noch von seinem Mangel an Geschmack übertroffen wurde, zu wahren Restaurierungsgreueln führte. Zwei emgagoerte Schweizer Maler, Vater und Sohn Gilliéron, wollten Evans, der in Knossos mit Beton nur so wütete, nicht nachstehen und „ergänzten“ Funde und Bruchstücke im Jugendstil in der Manier von Malskat.