Unser Kritiker sah:

ROMULUS DER GROSSE

Komödie von Friedrich Dürrenmatt

Theater der Freien Volksbühne, Berlin

Zwischen Erwin Piscators Tod und der Intendanz seines Nachfolgers Hansjörg Utzerath verläuft im Berliner Volksbühnentheater die gegenwärtige Spielzeit nach den Intentionen Peter Stoltzenbergs. In einer Situation, da der Volksbühnenverein in Berlin über den Rückgang seiner. Mitgliederzahlen klagt, bedeutete der Griff nach Dürrenmatts „ungeschichtlicher Komödie“ scheinbar ein Zugeständnis an das Vergnügen der Zuschauer. Gleichwohl wird die Piscator-Linie eines politisch akzentuierten Theaters fortgesetzt. Mag das Stück stellenweise den Schwank streifen: Der Hühner züchtende Liquidator des Römischen Reichs läßt sein Nichthandeln von einer pazifistischen Konzeption leiten.

„Eine schwere Komödie, weil sie scheinbar leicht ist“, schrieb der Autor in einer Anmerkung zur dritten Werkfassung (1961). Aus diesem Grunde wohl holte man den polnischen Regisseur Konrad Swinarski, der sich in Berlin einen Namen gemacht hat mit der Uraufführung des Marat-Dramas von Peter Weiss und – ebenfalls im Schiller-Theater – mit der Inszenierung der „Wanze“ von Majakowski. In der Volksbühne nun gab es keinen „Zirkus Swinarski“ zu sehen. Der Regisseur benutzte den Autor nicht, um auf dessen Kosten seine eigenen Einfälle zu inszenieren: Swinarski ließ Dürrenmatt spielen.

H. W. Lenneweit baute als die „verhühnerte“ Residenz des letzten römischen Kaisers eine Villa aus der Campagna auf die Bühne, wie sich die römischen Reste heute den Touristen darbieten. Der Regisseur schreckte zwar vor der Verwendung lebender Hühner auf der Szene nicht zurück, verzichtete aber auf „unermeßliche Scharen“ des Federviehs und hielt auch das elektroakustische Gegacker unterhalb des vom Autor angezeigten Pegelstandes.