Auf der Hauptversammlung der Bavaria- und St. Pauli-Brauerei, Hamburg, erhoben zwei Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz völlig zu Recht Vorwürfe wegen unzureichender Publizität. Die einzelnen Positionen der Bilanz sind mangelhaft erläutert, über die Ausstoßziffern wird beharrlich geschwiegen. „Sie liegen an der Millionen-Grenze“, ließ sich Vorstandsmitglied Dr. Bruno Kaiser wohlwollend herab zu sagen. Er katte keine Hemmungen zu erklären, daß die Brauerei hinsichtlich der Publizität eine gewisse Tiefstapelei betreibe, auch wenn dies der Presse nicht angenehm sei. „Wir nehmen die Klappe nicht voll“, erläuterte er im Stile des Hamburger Stadtteils, in dem die Brauerei ihren Verwaltungssitz hat.

Den Einwand, daß die Aktionäre ein Recht darauf hätten, über die wahren Verhältnisse ihres Unternehmens orientiert zu werden, ließ auch der Aufsichtsratsvorsitzende Will Marx, Vorstandsmitglied der Commerzbank, nicht gelten. „Das Ergebnis kann ja jeder aus der Bilanz ablesen.“ Er vertrat sogar die Auffassung, daß der in den letzten Jahren vollzogene Aufschwung deshalb bei der Brauerei so ungestört verlaufen sei, weil man in der Publizität Zurückhaltung geübt habe.

Wenn man dann noch berücksichtigt, daß eine andere Bank Großaktionär dieser Gesellschaft ist und sich offensichtlich mit einer derartigen Tiefstapelei (Verschweigen der tatsächlichen Lage) identifiziert, dann wird verständlich, warum bei uns eine Vertrauenswerbung für die Aktie so unendlich schwierig ist. kw