Seit dem 12. April sind die Chancen gestiegen, daß sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen endlich über die Finanzierung ihrer Friedensoperationen (peace keeping Operations) einigt. Die Sowjetunion wiederholte ihr Versprechen, durch freiwillige Zahlung an einer Tilgung der Kosten für vergangene UN-Friedensaktionen mitzuwirken. Fünfzehn Tage später zog Frankreich mit einer entsprechenden Absichtserklärung nach.

Damit können sich die Vereinten Nationen von einem Schuldenberg befreien, der bisweilen ihre Lebensfähigkeit bedrohte und der vor allem durch die Kongoaktion Anfang der sechziger Jahre entstanden war.

Mindestens so alt ist auch das grundsätzliche Mißtrauen vieler UN-Mitglieder gegenüber Friedensaktionen ihrer Organisation. Dieses Mißtrauen nährte sich ursprünglich aus dem Kompetenzwirrwarr, der zwischen Sicherheitsrat, Vollversammlung und Generalsekretariat in Sachen Friedensstreitmacht existiert.

Dieser Wirrwarr ermöglichte es dem verunglückten Generalsekretär Dag Hammarskjöld, die UN-Truppen während der Kongokrise nach eigenem Ermessen zu führen, was ihm von kommunistischer wie von afrikanischer Seite den Verdacht eintrug, er handele als Agent des westlichen Imperialismus.

Da sich die Vollversammlung bislang nicht zu einer klärenden Satzungsrevision durchringen konnte, lebte die Kontroverse über Einsatz, Organisation und Kontrolle von UN-Friedenstruppen fort – teils als Satzungsstreit, teils unter dem Deckmantel der Finanzierungsfrage.

Diese Frage ist nun reif, von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in ihrer gegenwärtigen Sondersession gelöst zu werden. Uneinigkeit besteht aber noch immer über die Zukunft Südwestafrikas.

Zwar hatte die Generalversammlung am 27. Oktober 1966 eine Resolution verabschiedet, die das Mandat der Südafrikanische Union über Südwestafrika für verwirkt erklärte. Doch konnte ein Vierzehn-Mächte-Ausschuß, der nach gangbaren Wegen suchen sollte, um die südafrikanischen Verwaltungsbehörden durch UN-Organe zu ersetzen, auch jetzt noch keinen praktikablen Aktionsplan vorlegen.