Westmoreland wirbt in den USA für weitere Eskalation

„Wir werden die kommunistische Aggression überwinden“ – siegesgewiß schmetterte es der Vier-Sterne-General in das Forum, und donnernder Applaus des Auditoriums antwortete ihm. Zum erstenmal in der amerikanischen Geschichte durfte ein Feldkommandeur mitten im Krieg eine Botschaft an den Kongreß richten – sein Präsident und Oberbefehlshaber hatte es so gewünscht.

Dieser Auftritt war vor einigen Wochen bei der Konferenz auf Guam sorgfältig einstudiert worden. Präsident Johnson brauchte den Beistand General Westmorelands, des Oberbefehlshabers in Vietnam, um seine Kritiker im eigenen Land zum Verstummen zu bringen.

Zwar enthielt sich der General in seiner Kongreßrede jedes Tadels an der Politik etlicher Kongreßmitglieder, aber der Tenor seiner Botschaft und vor allem seine Erklärungen außerhalb des Kapitels ließen keinen Zweifel daran, welchen Eindruck er der öffentlichen Meinung suggerieren sollte: Es ist der sicherste Weg zur Kriegsverlängerung, wenn Hanoi in der Annahme bestätigt wird, daß sich noch irgendein amerikanischer Bürger dem Krieg widersetzt.

General Westmorelands Lagebericht war keineswegs überoptimistisch. Für die kommenden Monate sagte er neue schwere Kämpfe voraus. Er rechnet damit, daß der Gegner seine Angriffe mit Mörsern, Raketen und Artillerie sogar noch verstärken wird. Notwendig sei ein unablässiger Druck auf den Feind, auf allen Ebenen – militärisch, politisch und psychologisch. Jedoch müsse die amerikanische Heimatfront stetig und geschlossen bleiben.

Nicht alle Senatoren und Abgeordneten ließen sich von der „Durchhalte“-Stimmung mitreißen. Senator Fulbright meinte, General Westmoreland solle offensichtlich eine neue Eskalation des Krieges, eine enorme Verstärkung des US-Expeditionskorps und den totalen Sieg vorbereiten helfen. Der demokratische Senator McGovern behauptete sogar, die verschärften Luftangriffe gegen Nordvietnam und der Besuch Westmorelands ließen einen Kurs erkennen, der zum Dritten Weltkrieg führen könne.

Truppen und Devisen

Nach mehrmonatigen Verhandlungen hat sich der deutsch-amerikanisch-britische Dreierausschuß in London über eine Truppenreduzierung der verbündeten Truppen in der Bundesrepublik und über Bonner Devisenausgleichszahlungen geeinigt. Die Amerikaner werden 30 000 Mann (zwei Brigaden und Versorgungstruppen), die Briten 6000 Soldaten (eine Brigade) abziehen. Diese Truppen bleiben aber weiterhin dem europäischen NATO-Oberbefehlshaber unterstellt. Ferner werden neunzig Maschinen der in Süddeutschland stationierten 4. taktischen Luftflotte in die USA verlegt. Die englische Devisenausgleichsforderung für die Rheinarmee in Höhe von jährlich 900 Millionen DM erfüllt Bonn zur Hälfte: durch zivile und militärische Einkäufe. Die Amerikaner steuern zusätzlich 220 Millionen DM bei, um die Engländer von einem größeren Truppenabzug abzuhalten. Als Devisenausgleich für die Stationierung der US-Streitkräfte wird Bonn in Amerika für 1,2 Milliarden DM militärische Ausrüstung kaufen. Die Bundesbank wird für weitere zwei Milliarden DM mittelfristige amerikanische Schuldverschreibungen erwerben. Die Abkommen gelten für zwölf Monate. Dem Truppenabzug muß der NATO-Rat und der Ministerrat der Westeuropäischen Union noch zustimmen.